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Das Geographische Institut, das Staatsarchiv Bern und die StUB reichten ein Forschungsvorhaben beim bernischen Lotteriefonds ein, das die wissenschaftliche Erschliessung des Werks des Berner Geographen und Staatsmanns Johann Friedrich von Ryhiner (1732-1803) vorsieht. Der bernische Regierungsrat bewilligte ein Pilotprojekt, dessen Ausführung Thomas Klöti übertragen wurde. Eine Diplomarbeit BBS ergänzt die bibliothekarischen Aspekte.
Aufgrund des Pilotprojekts und der ergänzenden Diplomarbeiten BBS reichten das Geographische Institut, das Staatsarchiv und die StUB das Gesuch zur Unterstützung des "Forschungsvorhabens zur bernischen Kartographie des 18. Jahrhunderts (Sammlung Ryhiner)" beim bernischen Lotteriefonds ein. Die Erschliessungs- und Restaurationsmassnahmen sollen viereinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Das Vorhaben wird restauratorische Massnahmen, eine Mikroverfilmung zur Bestandessicherung sowie eine allgemein zugängliche Datenbank beinhalten.
Mit dem Beschluss des Grossen Rates des Kantons Bern vom 16. September 1993 (GRB Nr. 2034) wurde die zukünftige Finanzierung des Projekts Ryhiner sichergestellt. - Damit kann eine der bedeutendsten historischen Kartensammlungen Europas mit rund 16'000 einzelnen Blättern in den nächsten vier bis fünf Jahren restauriert, katalogisiert und wissenschaftlich erschlossen werden. Ein Beitrag im "Kleinen Bund" vom 16.1.1993 ("Kartensammlungen als Gedächtnis der Welt") machte auch einer weiteren Öffentlichkeit diesen Schatz bekannt.
Am 1. Februar konnte definitiv mit der Erschliessung der Sammlung begonnen werden. Als Auftakt wurde im Foyer 63 die Ausstellung "Raum in der Zeit - Die Kartensammlung des Berner Staatsmannes und Geographen Johann Friedrich von Ryhiner (1732-1803)" eröffnet. Im Verlaufe des Jahres 1994 wurden dann 2475 Karten mikroverfilmt und 133 Sammelbände mit insgesamt 4348 Karten, Plänen und Ansichten katalogisiert. Bei der Restaurierung der Karten wurde das Schwergewicht auf die Vorbereitung zur Mikroverfilmung gelegt, wobei vor allem trockengereinigt und gesichert wurde.
Eine ergiebige Gelegenheit zur bibliothekarischen Fortbildung bildete die Teilnahme an der Tagung zum Thema "Kartenbibliothekswesen im Wandel - Digitale Karten in Bibliotheken", die von der Groupe des cartothécaires de LIBER im September in Zürich durchgeführt wurde. Das vergangene Jahr war zudem geprägt durch eine rege Publikationstätigkeit, wobei folgende Arbeiten herauszugreifen sind: Katalog zur Ausstellung "Raum in der Zeit", Monographie "Johann Friedrich von Ryhiner (1732-1803) - Berner Staatsmann, Geograph, Kartenbibliograph und Verkehrspolitiker" (Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft Bern, Band 58/1992-1993), Artikel "Karten in der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern - Die Erschliessung der Sammlung Ryhiner" (In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 56. Jg. Heft 2, S. 179-189).
Im Verlaufe des Jahres 1995 wurden 5321 variable Karten, Pläne und Ansichten (1994: 4348) katalogisiert sowie 40 % der Sammlung (6400 Bilder) mikroverfilmt (1994: 2475 Bilder). Bei der Restaurierung stehen die Sicherungsarbeiten zum Verfilmen (z.B. Trockenreinigung und Rissschliessung) nun kurz vor dem Abschluss. Die aufwendig zu behandelnden Karten (z.B. Kupferfrass) werden im Anschluss bearbeitet werden. Für die Reintegrierung der Schweizer Ansichten aus der Graphiksammlung der Burgerbibliothek wurde eine Übereinkunft vorbereitet. Die Kommission der Burgerbibliothek hat das Geschäft dem kleinen Burgerrat unterbreitet, der einen Entscheid fällen wird. Zudem wurde der Einbau zusätzlicher Rollgestelle im U5 in die Wege geleitet. Im Hinblick auf die Erfordernisse des Kulturgüterschutzes konnte vereinbart werden, dass die Sicherheitskopien der Mikrofilme im Staatsarchiv Bern aufbewahrt werden.
Ein Schwergewicht wurde auch auf die Öffentlichkeitsarbeit gelegt: 1995 erschienen Beiträge in Fachzeitschriften (Arbido, Cartographica Helvetica, LIBER-Quarterly, NIKE-Bulletin, Restauro, StUBsnase, Unipress), und es erfolgten mehrere Präsentationen in der StUB sowie an Tagungen (Digitale Bildverarbeitung und Multimedia in Museen in Basel, Arbeitskreis der Kartenkuratoren in Hamburg, International Society of Early Maps sowie 16. Internationale Konferenz zur Geschichte der Kartographie in Wien). Seit dem 2. Februar 1995 bietet die Sammlung Ryhiner einen "Anlegesteg" auf dem WWW-Server der Universität Bern.
Im Verlaufe des Jahres 1996 wurden 4149 Karten, Pläne und Ansichten katalogisiert (1995: 5321) sowie 4712 Bilder mikroverfilmt (1995: 6400). Die Erschliessungsarbeiten sind damit bereits weit fortgeschritten. Die Restaurierung begann mit der Bearbeitung stark geschädigter und durch Kupferfrass gefährdeter Karten, wobei 18 Bände behandelt wurden. Die Reinigung der Kartenrückseiten wurde fortgesetzt, 20% der Bände sind jetzt noch anstehend. Die Endkontrolle der von der Verfilmung zurückgekehrten Bände umfasst bisher ca. 25% der Bände. Im Kulturgüterschutzraum wurde die Rollgestellanlage erweitert. Im Anschluss an die Vereinbarung mit der Burgerbibliothek über die Rückgabe der Graphikblätter erfolgte die definitive Lagerung der Schweizer Bestände. Für die Unterbringung der Mikrofichen schafften wir konservatorisch geeignete Schachteln an und begannen mit der Beschriftung der Mikrofichehüllen.
Ein Schwergewicht lag auf der Öffentlichkeitsarbeit: 1996 erschienen neun Beiträge zur Sammlung Ryhiner sowie zur bernischen Kartographie in Fachzeitschriften und Reihen, es erfolgten vier Führungen in der StUB sowie vier Präsentationen an Fachtagungen im In- und Ausland. Die WWW-Seiten der Sammlung Ryhiner wurden stark beachtet. Monatlich erfolgen zirka 1000 Zugriffe auf die Eröffnungsseiten der Sammlung Ryhiner. Neu hinzugekommen ist ein Hyperlink-Katalog, in dem sämtliche Schweizer Karten, Pläne und Ansichten nachgewiesen werden. Ein alphabetisch aufgebautes "Kartenmacher-Archiv" umfasst bereits 2200 Namen.
Im Verlauf des Jahres 1997 wurden 1'615 Karten, Pläne und Ansichten katalogisiert (1996: 4'149) sowie 2'063 Bilder mikroverfilmt (1996: 4'712). Die eigentliche Inventarisierung ist damit nahezu abgeschlossen. Bei der Restaurierung wurden alle gravierenden Fälle von Blättern mit Kupferfrass-Schäden behandelt (in 18 Bänden). Von den weniger schwerwiegenden Fällen wurden Blätter in 55 Bänden bearbeitet. Die Rückseitenreinigung, bei der zusätzlich ein Praktikant sowie ein Student der Schule für Gestaltung eingesetzt wurde, konnte abgeschlossen werden (69 Bände). Bei 160 Bänden wurde die Endkontrolle weitergeführt, wobei hier ebenfalls Praktikantinnen mitwirkten. Ein Schwergewicht lag wiederum auf der Öffentlichkeitsarbeit: 1997 wurde die “Carte d’une partie très interessante de la Suisse” faksimiliert, und es wurden vier Beiträge zur Sammlung Ryhiner und zur bernischen Kartographie veröffentlicht. Es erfolgten zudem zwei Führungen sowie zwei Präsentationen in der StUB. Die WWW-Seiten der Sammlung Ryhiner wurden stark beachtet. Als Folge dieser Aktivitäten waren vermehrt mündliche und schriftliche Auskünfte zu erteilen. Im Hinblick auf die Schlusspublikation sowie auf die geplante Ausstellung im Schweizerischen Alpinen Museum wurden Vorarbeiten geleistet. Für die Realisierung einer Bilddatenbank, die als Nachfolgeprojekt geplant wird, fanden Vorabklärungen statt.
Das Projekt zur Erschliessung der Sammlung Ryhiner wurde nach viereinhalb Jahren 1998 fristgerecht abgeschlossen. Mitte Jahr war die Druckvorlage des Kataloges beendet. Das Manuskript enthält mehr als 16'500 Katalognummern, die durch ein Namen-, Orts-, Sach- und Titelregister erschlossen sind. Für den Druck liegen namhafte Beiträge von der Burgergemeinde Bern, der Zunft zu Pfistern, dem Bundesamt für Kultur und der Stadt Bern vor. Für die Publikation fehlen aber noch rund 50'000 Franken. Die Mikroverfilmung ist ebenfalls abgeschlossen und die Filme stehen für die Benutzung zur Verfügung. Die Restaurierung nahm bis Ende Jahr bei der Hälfte aller Bände Einbandarbeiten und Endkontrollen vor und schloss die Behandlung der weniger schwerwiegenden Kupferfrassschäden ebenfalls ab (71 Bände behandelt). Über alle durchgeführten Massnahmen wurde ein Restaurierungsprotokoll angefertigt. Die in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Alpinen Museum (SAM) ausgearbeitete Sonderausstellung "Der Weltensammler" fand vom 10. September bis 6. Dezember 1998 ein grosses Publikumsinteresse. Das dazugehörige Begleitheft mit Beiträgen von vierzehn Autorinnen und Autoren zeigte eine aktuelle Sicht auf die 16'000 Landkarten. Die Veröffentlichung erfolgte mit Druckkostenbeiträgen des Kantons Bern, der Stadt Bern, der Arbeitsgemeinschaft Geographica Bernensia, der Geographischen Gesellschaft, der Vereinigung "Für Bern" und der Berner Kantonalbank. Zur Ausstellung wurde eine Website eingerichtet: http://www.stub.unibe.ch/welten. Für das Vorhaben einer Bilddatenbank der Sammlung Ryhiner fanden weitere Vorabklärungen statt, wobei ein Einbezug in das ebenfalls geplante Digitalisierungsprojekt erfolgte.