Bibliotheken wurden in allen Epochen als kulturelle Schätze der Gesellschaft angesehen. Deshalb schenkten die Besitzer oder Verwalter der Bibliotheken der Hülle, in welcher dieses kulturelle Erbe untergebracht war, grosse Aufmerksamkeit. So entstand eine Tradition von Bibliotheksarchitektur, die immer auch einen repräsentativen Charakter aufwies.
Dass Bibliotheken nicht blosse Aufbewahrungsorte von Büchern waren, zeigt sich beispielsweise in der Architektur barocker Kloster- und Fürstenbibliotheken. Diese waren in reich ausgestatteten Prunksälen untergebracht, wo die in Leder gebundenen Bände den Wänden entlang aufgestellt waren. Der Bücherreichtum wurde in diesen Räumen inszeniert und damit auch zelebriert ("Gesamtkunstwerk").
Auch die Bibliotheksbauten des 19. Jahrhunderts folgten dieser Tradition. Allerdings verschob sich nun das Gewicht zu den Nationalbibliotheken und am Ende des Jahrhunderts zu den Universitätsbibliotheken. Die grossen Bibliotheken wiesen im Publikumsbereich repräsentative Räume auf. Besonders die Lesesäle waren bezüglich ihrer Grösse und Ausstattung sakrale Räume. Die darin herrschende Stille unterstrich dieses bauliche Merkmal noch. Die wohl berühmtesten Beispiele sind der Kuppelsaal des British Museum, erbaut 1854–1856, und der "Salle Labrouste", der 1867 fertiggestellte Hauptlesesaal der Bibliothèque nationale in Paris.
Im 19. Jahrhundert wurden verschiedene Nationalbibliotheken gegründet:
Mit der Bibliotheksgründung war meistens auch ein Neubau verbunden. In der republikanischen Schweiz erhielt die Landesbibliothek erst 1930 einen eigenen Bau, vorher war sie im selben Gebäude wie das Bundesarchiv untergebracht. Das Bibliotheksgebäude an der Hallwylstrasse ist eines der markantesten Beispiele des neuen Bauens in der Schweiz. Die Architektursprache ist zwar eher kühl und sachlich, die Raumgliederung und die Grösse des Gebäudes machen die Landesbibliothek für schweizerische Verhältnisse zu einem modernen Monument.
Im 20. Jahrhundert gibt es keine einheitliche Bibliotheksarchitektur, so können Fassaden von Bibliotheksgebäuden sehr unterschiedlich aussehen. Anhand der folgenden Beispiele von Bibliotheksbauten zeigt sich, dass sich die politischen Entscheidungsträger je nach politischer Kultur eines Landes, für Denkmäler oder Zweckbauten entscheiden.
Anhand drei Beispielen von Bibliotheksneubauten der neunziger Jahre lässt sich aufzeigen, welche Überlegungen in der Bibliotheksarchitektur Ende des 20. Jahrhunderts wegleitend sind und wie unterschiedlich die Resultate ausfallen.
Bibliothèque nationale de France in Paris (1990–1995)
Die Bibliothèque nationale in Paris ist eine der ältesten Bibliotheken der Welt. Sie entstand aus den königlichen Privatsammlungen und entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte zur Nationalbibliothek und dank dem Depot légal und einer regen Sammlungstätigkeit zu einer der grössten Bibliotheken weltweit. Besonders die während der französischen Revolution beschlagnahmten Bibliotheken von Klöstern und Privatpersonen liessen die Bestände grösser werden. Heute zählt sie rund 14 Millionen Bände, 12 Millionen Fotografien und Druckgrafiken und unzählige weitere Medien, die an vier Standorten gelagert werden. Das starke Wachstum der Buchproduktion und die Zunahme der Benutzerinnen und Benutzer führte im 20. Jahrhundert dazu, dass die Bibliothek Aussenstellen – z.B. in Versailles – gründen musste. Die Engpässe verschärften sich in den siebziger und achtziger Jahren. Schliesslich kündigte Staatspräsident Mitterand in seiner Rede zum 14. Juli 1988 an, dass eine neue Bibliothèque nationale errichtet werden solle. Bereits 1989 fiel der Standortentscheid auf ein zentrales Gelände an der Seine in der Nähe des Gare Austerlitz. Eine internationale Jury sprach sich für das Projekt des französischen Architekten Dominique Perrault aus. 1990 begannen die Bauarbeiten, die bereits 1995 ihren Abschluss fanden. Anfang 1995 weihte François Mitterand sein Monument ein, das offiziell "Le site François Mitterand/Tolbiac" genannt wird. Tolbiac ist die Bezeichnung für das Quartier, das parallel mit dem Bibliotheksbau auf einem ehemaligen Bahnareal neu entstand. 1996 öffnete die Bibliothek schliesslich ihre Tore dem Publikum.
Der Standort Tolbiac bietet über 300‘000 m2 Geschossfläche, die neben Büros und Publikumsräumen rund 10 Millionen Bücher, 350'000 Zeitschriftentitel und über eine Million audiovisuelle Materialien beherbergt.
Der Bau umfasst einen Sockel mit unterirdischen Geschossen und gegen einen Innenhof geöffneten Lesesälen. Der Sockel ist 375 Meter lang, und 187 bis 237 Meter breit. Der etwas mehr als eine Hektare grosse Innenhof ist mit Bäumen bepflanzt, so dass man aus den Lesesälen in einen kleinen Wald blickt. Das Dach des Sockels ist öffentlich begehbar. Auf den Ecken des Sockels stehen vier Türme von 79 Metern Höhe. Ihre rechtwinklige Form symbolisiert vier aufgeschlagene Bücher. In diesen Türmen befinden sich je sieben Stockwerke mit Büros und elf Stockwerke mit Buchmagazinen. Die verglaste Architektur macht die Türme transparent – führt aber auch zu Problemen mit dem Raumklima. Die Büros sind mit Holzwänden und die Magazine mit Isolationsmaterial vor zu viel Sonneneinstrahlung geschützt.
Die Architektur folgt den Formen der klassischen Moderne. Es dominieren rechte Winkel und Geraden; die Betonkonstruktion im Innern ist mit einer Stahl-Glas-Fassade verkleidet. Auffallend ist die strenge Symmetrie der Gesamtanlage, vor allem wenn man sie mit der British Library oder der Deutschen Bibliothek vergleicht. Darin kommen städtebauliche Präferenzen zum Ausdruck, die eine jahrhundertealte Tradition haben. Der Grundriss der Bibliothèque nationale weist Parallelen zu französischen Barockgärten auf, während der Grundriss der British Library mit einer englischen Gartenanlage verglichen werden könnte.
Vielleicht haben sie in den letzten Wochen in der Presse etwas über den Streik des Personals gelesen. Im Herbst 1998 fand der eigentliche Umzug der Bücher und des Personals in den Neubau statt. Erst jetzt zeigten sich die Mängel der Architektur. Der Stararchitekt Perrault hatte sich um die betrieblichen Erfordernisse einer Bibliothek foutiert. Die Wege zwischen den vier Magazin- und Bürotürmen sind lang und die Arbeitsbedingungen in den Büros müssen ziemlich schlecht sein. Als vor der Publikumseröffnung auch noch Pannen beim neuen Bibliotheks-Computersystem auftraten, war das Fass voll. Das Personal streikt und die Benutzerinnen und Benutzer ärgern sich ebenfalls über die Mängel des Gebäudes.
British Library in London (1982–1998)
Die British Library ist eine der grössten Bibliotheken der Welt. Sie besitzt rund 12 Millionen Bücher, 33 Millionen Patente, 2 Millionen Karten und unzählige weitere Dokumente. Sie ist eine Forschungsbibliothek und daher nicht für jedermann frei zugänglich. Wer mit ihren Beständen arbeiten will, muss in der Forschung tätig sein und nachweisen, dass keine andere Bibliothek die dazu notwendigen Bestände besitzt.
Die British Library wurde 1972 gegründet und nahm 1973 ihren eigenständigen Betrieb auf. Zuvor war sie ein Bestandteil des 1753 gegründeten British Museum. Bereits 1962 begann die Planung für den Bau eines neuen, eigenständigen Bibliotheksgebäudes auf einer Parzelle neben dem British Museum. Politische Machtwechsel verzögerten das Projekt und nach der Gründung der British Library entschloss sich die Regierung, einen neuen Standort für den Bibliotheksbau zu suchen. Sie kaufte 1973 vorsorglich Land beim Bahnhof St. Pancras in London, wo die British Library auch hinkam.
Unzählige Planunsstopps und die Komplexität des Projektes zogen die Verwirklichung des Neubaus in die Länge und liessen die Kosten in die Höhe schnellen, so dass die British Library das teuerste öffentliche Gebäude ist, das Grossbritannien im 20. Jahrhundert baute.
Der teure Bau hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die Betriebskosten derzeit enorm hoch sind und das vom Parlament bewilligte Bibliotheksbudget übersteigen. Um das Defizit zu decken, muss entweder der Staat höhere Beiträge an die British Library ausrichten oder die Benutzerinnen und Benutzer werden zur Kasse gebeten. Zur Zeit sind Gebühren in der Höhe von 15 Franken pro Tag und Person im Gespräch.
Das Konzept des Architekten Colin St. John Wilson weist weniger monumentale Züge auf, als dies bei der Bibliothèque nationale der Fall ist. Der Grundriss passt sich der asymmetrischen Form des Grundstückes neben dem Bahnhof St. Pancras an. Die Architektur ist modern. Allerdings folgt sie einem speziellen Zweig der klassischen Moderne, der unregelmässige, organische Formen bevorzugt, nämlich der Schule von Frank Lloyd Wright. Die Eingangspartie erinnert an das berühmte Robie House, das Wright 1906–1910 in Chicago baute. Die unregelmässige Anordnung der Baukuben und die Anspielungen an einen Schiffsbau erinnern auch an Werke von Hans Scharoun, zum Beispiel an die 1967–1978 errichtete Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz in Berlin. Die äussere Gestaltung der British Library nimmt Bezug auf die benachbarte historisierende Bahnhofsfassade. Für die Fassadenverkleidungen wurde der gleiche rote Backstein ausgewählt, der über hundert Jahre zuvor beim Bahnhof St. Pancras verwendet wurde. Auf diese Weise entsteht ein spannender Dialog zwischen alt und neu.
Die Formenvielfalt der architektonischen Hülle setzt sich auch im Inneren des Gebäudes fort. So ist zum Beispiel die grosszügige Eingangshalle differenziert gestaltet. Die Raumhöhe nimmt von der Türe bis zum eigentlichen Zugang in die Bibliotheksräume zu. Damit will der Architekt die Eintrittsangst herabsetzten. Wenn man nämlich gleich zu Beginn in eine riesige Eingangshalle mit übermenschlichen Dimensionen eintritt, wirkt die Raumhöhe eher abschreckend auf die Eintretenden. Ferner hat man grossen Wert auf die leichte Orientierung gelegt. Neben der übersichtlichen Beschriftung befindet sich ein Informationsschalter in der Eingangshalle, wo man sich Hilfe holen kann.
Prunkstücke der Innenausstattung sind die elf Lesesäle. Die Raumhöhe und die abgeschrägte Decke des "Humanities"-Lesesaales sind vermutlich eine Anspielung auf die Kuppelform des Lesesaales des 19. Jahrhunderts. Die Lichtführung von oben auf die Lesesaalarbeitsplätze erinnert aber auch an Sheddächer von Fabrikbauten. Die Anordnung der Arbeitsplätze erlaubt sowohl einen Blick in die Weite des Raumes als auch die Konzentration auf die Tischfläche des Lesesaalpultes. Die Details der Innenausstattung nehmen Bezug auf die Raumhülle. So gleichen sich die Dreiecksform der Tischlampen und des Daches. Zudem können die unterschiedlichen Niveaus der Lesesaalplattformen als Schiffsdecks gesehen werden. Architektonisch unspektakulärer sind die vier Stockwerke unter dem Boden, in denen sich die Buchmagazine befinden.
Deutsche Bibliothek in Frankfurt a.M. 1992–1996
Die deutsche Bibliothekslandschaft kennt keine zentrale Nationalbibliothek. Bis ins 20. Jahrhundert übten die Staatsbibliotheken der einzelnen Länder diese Funktion für ihr Territorium aus. Erst 1912 entstand auf Initiative des Buchhandels und der Verlage die Deutsche Bücherei in Leipzig, welche die Aufgabe hatte, das deutsche Schrifttum vollständig zu sammeln und eine Nationalbibliografie herauszugeben. Durch die Aufteilung Deutschlands in zwei Staaten nach 1945 bildeten sich zwei deutsche Nationalbibliotheken. Die Deutsche Bücherei in Leipzig übernahm diese Funktion für Ostdeutschland. In der Bundesrepublik gründeten wiederum Private 1946 die Deutsche Bibliothek in Frankfurt a.M., die zur westdeutschen Nationalbibliothek wurde.
1978 begann aufgrund der Raumknappheit die Planung für einen Neubau der Deutschen Bibliothek in Frankfurt. Kurz vor Baubeginn setzte die deutsche Wiedervereinigung neue Rahmenbedingungen. Im Einigungsvertrag von 1990 wurde festgelegt, dass die Deutsche Bücherei in Leipzig, die Deutsche Bibliothek in Frankfurt und das Musikarchiv in Berlin zur Deutschen Bibliothek mit einem Gesamtbestand von 15 Millionen Büchern und Medien zusammengefasst werden sollten. Die drei Institutionen blieben an ihren Standorten und Frankfurt erhielt 1991 grünes Licht für den Neubau. 1992 begannen die Bauarbeiten, 1996 fand die Schlüsselübergabe statt und 1997 eröffnete Bundeskanzler Kohl das neue Haus.
Die Architektur der Deutschen Bibliothek weist kaum monumentale Elemente auf, hier handelt es sich wirklich primär um einen Zweckbau. Das Gebäude befindet sich an einer gründerzeitlichen Ringstrasse Frankfurts auf einer Eckparzelle. Der Grundriss ist unspektakulär und passt sich der Form des Grundstücks an. Da auf zwei Seiten der Verkehr von innerstädtischen Hauptachsen vorbeibrandet, bilden die dort angesiedelten Gebäudeteile einen Lärmschutz. Die Büros der Angestellten und die Lesesäle befinden sich im hinteren Teil des Hauses, der sich gegen einen hinterhofartigen Grünbereich öffnet.
Eines der wenigen Elemente, die Repräsentationscharakter aufweisen, ist die Eingangspiazza und die Glasrotunde über der Eingangshalle. Die übrigen Gebäudeteile sind sinnvoll angeordnet und in verschiedene Bauelemente gegliedert. Die Magazine befinden sich in den vier unterirdischen Geschossen. In die Arbeitsräume und die Lesesäle dringt dank grossen Fensterfronten sehr viel Tageslicht. Die moderne Beton-Stahl-Glas-Konstruktion gleicht eher einem Industriebau als einem Monument.
Die Architekten und die Auftraggeber haben vor allem Wert auf die funktionale Gestaltung des Baus gelegt. Die architektonische Repräsentation ist bei diesem Bau völlig sekundär. Die Baukosten sind dem Gebäudeumfang ensprechend auch viel niedriger als im Fall der Bibliothèque nationale und der British Library.
Die Deutsche Bibliothek zählt rund 7 Millionen Bücher und Zeitschriftenbände. Pro Tag nimmt der Buchbestand um 1000 Titel zu. Trotz diesem rapiden Wachstum werden die Magazine erst etwa im Jahr 2035 voll sein. Dannzumal rechnet man mit einem Bestand von 18 Mio. Bänden.
Neben den für Bibliotheksbauten notwendigen Räumen (Magazine, Büros, Katalogsäle, Lesesäle – samt zugehöriger technischer Einrichtungen) umfassen alle drei Bauten Räume für die Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehören Vortragssäle, Konferenz- und Ausstellungsräume aber auch Restaurants, Buch- und Souvernirläden.
Ebenso wichtig ist die zentrale Lage und eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Bibliothèque nationale de France liegt an einer neuen Metrolinie, die British Library steht unmittelbar neben dem Bahnhof St. Pancras, der in naher Zukunft Endstation der Kanaltunnelzüge werden soll. Die Deutsche Bibliothek steht an der Kreuzung zweier Hauptstrassen und ist per U-Bahn, per S-Bahn und per Bus erreichbar.
Die Gesamtbilanz anhand vergleichbarer Kennzahlen:
| BN | BL | DB | |
| Kosten | knapp 2 Mia SFr. | 1,6 Mia DM | 250 Mio DM |
| Bauzeit | 1990–1995 | 1982–1998 | 1992–1996 |
| Nutzbare Fläche, brutto (m2) | 365‘000 | 113‘000 | 77‘000 |
| Lesesaalarbeitsplätze | 3600 | 1277 | 350 |
| Arbeitsplätze Personal | 2900 | 1200 | 360 |
Ich habe Ihnen ganz selbstverständlich drei aktuelle Neubauten von Bibliotheken vorgestellt. Doch auf eine Frage, die in letzter Zeit immer wieder gestellt wird, bin ich noch nicht eingegangen. Nämlich die grundsätzliche Frage: Wozu braucht es überhaupt neue Bibliotheksbauten im Zeitalter der Digitalisierung und des Internet, das ein riesige Informationsfülle praktisch an jedem Punkt auf der Erde zu jeder Zeit zugänglich macht? Es wäre theoretisch denkbar, dass die neuen elektronischen Medien mittel- bis langfristig das Buch als Informationsträger ablösen.
Auf diese These gibt es eine eindeutige Antwort: Auch mit dem Aufkommen neuer elektronischer Medien wird das Buch nicht verschwinden. Dies aus folgenden Gründen:
So werden alle Bibliotheken auch in Zukunft umfangreiche Buchbestände neu ansschaffen und diese über Jahrzehnte unter optimalen klimatischen Bedingunen lagern und zur Ausleihe bereithalten. Gleichzeitig vermitteln Bibliotheken aus elektronische Medien ("hybride Bibliothek").
Es gibt noch weitere Gründe für den wachsenden Raumbedarf von Bibliotheken. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Nachfrage nach bibliothekarischen Dienstleistungen stark zugenommen. Die steigende Zahl der Studierenden und wissenschaftlich Tätigen ist die wichtigste Ursache dieses Trends. Die Bedeutung der Bibliotheken wird im anbrechenden "Informationszeitalter" eher noch zunehmen. Deshalb besteht ein wachsendes Bedürfnis nach öffentlich zugänglichen Arbeitsgelegenheiten, wo gelesen und Informationen beschafft und verarbeitet werden können. Bibliotheken werden auch in Zukunft Lesesäle und Arbeitsplätze für Lektüre und Forschung bereitstellen müssen und die Rolle des Bibliothekspersonals als Vermittler im "Informationsdschungel" wird noch wichtiger sein.
Nach diesem Einblick in Bibliotheksbauten, die weltweit Schlagzeigen gemacht haben, möchte ich zum Schluss noch auf zwei bernische Projekte hinweisen. Das eine Projekt ist bereits im Gang, nämlich der Aus- und Umbau der Landesbibliothek. Im Osten der SLB wurde 1994–1997 ein unterirdisches Büchermagazin gebaut, das Raumreserven bis im Jahr 2020 sicherstellt. In der zweiten Phase 1998–2000 wird der Haupttrakt umgebaut und schliesslich soll im westlichen Garten ein weiteres unterirdisches Magazin erstellt werden.
Auch der StUB steht ein Ausbau bevor, denn das Gebäude an der Münstergasse platzt aus allen Nähten. 1998 mussten Buchbestände in ein Aussenmagazin an der Hallerstrasse ausgelagert werden und die meisten Büros sind überfüllt. Deshalb besteht der Plan, einen unterirdischen Magazinbau zu erstellen. Damit können erstens Magazinreserven bis ins Jahr 2030 geschaffen werden. Zweitens entsteht mehr Bürofläche für die Bibliotheksmitarbeitenden und im zweiten und dritten Untergeschoss wird die neuere Literatur in für die Benutzerinnen und Benutzer frei zugänglichen Gestellen gelagert. Drittens können im Erdgeschoss grössere Räume für Veranstaltungen bereitgestellt werden.
Die beiden Berner Bauprojekte weisen natürlich viel bescheidenere Dimensionen auf, als die drei ausländischen Beispiele. Sie dienen aber demselben Zweck, nämlich Raum für Bücher, Benutzerinnen und Benutzer sowie für die Mitarbeitenden zu schaffen. In Bern wird dies ohne architektonische Schnörkel verwirklicht. Der grösste Teil des Neubauvolumens wird unter dem Boden realisiert.
Genau gleich wie beim Ausbau der Zentralbibliothek Zürich 1990–1994 ziehen die bernischen Bibliotheken nicht an einen andern Standort, sondern verbessern am alten, zentral gelegenen Platz ihre bauliche Infrastruktur und damit ihre Dienstleistungen für ihre Benutzerinnen und Benutzer.