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Bei "Bibliotheksgeschichte" denkt man vorab an Gebäude und deren Bestände, wie dies in der traditionellen Geschichtsschreibung getan wird.
Diese Aspekte sollen in dieser Vorlesung denn auch berücksichtigt werden. Es geht aber mindestens so sehr um die Menschen, die Bibliotheken frequentiert haben (bzw. überhaupt frequentieren konnten), sei es als Benutzerinnen und Benutzer, sei es als Angestellte.
Dazu kommt der Versuch, die Bibliotheksgeschichte in ein weiteres kulturgeschichtliches Umfeld einzubetten.
Dabei sollen Verbindungen etwa zur allgemeinen Bildungsgeschichte, zur Sozialgeschichte, Architektur-Geschichte, Technik-Geschichte aber durchaus zur allgemeinen Geschichte hergestellt werden.
Bibliotheken bestanden nicht einfach als unbestrittene Institutionen; vielmehr wurden sie sowohl zur höheren Ehre von Fürsten aufs prunkvollste gebaut und ausgestattet, wie auch absichtlich zerstört (s. Ex-Jugoslawien). Und nicht zuletzt hat man immer wieder versucht, auf das, was sie verbreiteten, Einfluss zu nehmen.
Bibliotheken und Machtträger sind damit ein weiteres Thema, das uns durch diese Vorlesung begleiten wird.
Vorgesehen sind vier Blöcke, die in ihrer Struktur unterschiedlich sind:
1. Als Prolog will ich in den ersten beiden Stunden die Voraussetzungen erläutern, die für Bibliotheken überhaupt notwendig sind.
2. Die 3. - 5. Stunde sind Epochenbeschreibungen.
3. In der Neuzeit (6. bis 13. Std.) wird die Bibliotheksgeschichte in einzelne Themenstränge aufgegliedert.
4. Gleichsam als Epilog sind Sie schliesslich zu einer eintägigen Exkursion eingeladen, die nach St. Gallen und voraussichtlich auch nach Bregenz führt und drei Zielsetzungen hat:
a) Sie gibt einen Einblick in einen der wichtigsten mittelalterlichen Bibliotheksbestände überhaupt (Stiftsbibliothek).
b) Wir haben in der Stiftsbibliothek die Möglichkeit, einen exemplarischen Bibliotheksraum aus dem Barock zu besichtigen.
c) Die bei uns wenig bekannte Vorarlbergische Landesbibliothek bietet Anschauungsunterricht, wie man einen Kirchenbau zu Bibliothekszwecken umnutzen kann.
Für einen ersten Ueberblick über die Bibliotheksgeschichte in deutscher Sprache, gibt es nichts, was bedingungslos empfehlenswert wäre.
Der allgemein verständliche Band von Weimann gibt zwar eine sehr gute Einführung und bettet die Bibliotheksgeschichte auch in die allgemeine Kulturgeschichte ein, der Forschungsstand entspricht aber dem der frühen siebziger Jahre, auch wenn das Buch immer wieder nachgedruckt wurde.
(Weimann, Karl-Heinz. Bibliotheksgeschichte. Lehrbuch zur Entwicklung und Topographie des Bibliothekswesens. München 1975)
Das Werk von Jochum ist zwar neu, sein Blickwinkel verengt sich aber mit Beginn der Neuzeit immer mehr auf Deutschland.
(Jochum, Uwe. Kleine Bibliotheksgeschichte. Stuttgart 1993)
Am ehesten zu empfehlen ist Harris, wenngleich die Bibliotheken in Nordamerika aus unserer Sicht etwas viel Gewicht erhalten.
Harris, Michael H. History of libraries in the Western World. 4th ed., Metuchen (N.J.) 1995