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- Welche Materialien werden in Bibliotheken im Verlaufe der Jahrhunderte gesammelt?
- In welcher Form erscheinen die verschiedenen Informationsträger?
Ihr unschätzbarer Vorteil war, dass sie dem gefährlichsten Feind von Bibliotheksgut, dem Feuer, widerstanden. Waren sie nur getrocknet, so wurden sie durch eine Feuersbrunst erst recht gebrannt; waren sie schon gebrannt, so konnte ihnen das Feuer auch nicht mehr schaden.
Dazu ist dieses Medium - einmal gebrannt - fälschungssicher. (Postgate 59) Möglicherweise wurden sogar mehr Tontafeln durch unabsichtliche Feuer gebrannt als durch bewusstes Brennen in Oefen. (Veenhof 1)
Tontafeln waren ausgesprochen billig; vielleicht kann man sagen, dass man erst im 19. Jh. mit der industriellen Papierproduktion wieder einen Beschreibstoff von solch geringem Wert besass.
Wie sorglos man damit umging, zeigt sich auch aus dem Umstand, dass unnütze Tontafeln nicht selten als Bodenunterlage verwendet wurden, wo sie während einigen Jahrtausenden ruhten, bis sie die europäischen Archäologen des 19. und 20. Jahrhunderts dankbar wieder zusammenzusetzen suchten.
Das grösste Problem dürfte es gewesen sein, die Tafeln während des Schreibens ausreichend feucht zu halten. (Postgate 56) Und natürlich waren Dimensionen und Gewicht sowie die Zerbrechlichkeit für die massenhafte Aufbewahrung und den Transport nicht ideal.
In babylonischer Zeit verwendete man v.a. für grössere Texte der Staatsverwaltung auch hölzerne Tafeln mit Wachsfüllung.
Wichtige Tontafeln erhielten seit der Zeit von Sargon auch "Umschläge" oder eher Schuber. Es handelte sich um eine dünne Tonschicht um die Tafel herum. (Postgate 61f)
Papyri hatten gegenüber Tontafeln den Vorteil, dass sie auch zu sehr langen Texten zusammengeklebt werden konnten, schwarz und rot beschriftet werden konnten und Korrekturen erlaubten. (Postgate 59)
Es braucht aber wohl nicht besonders betont zu werden, dass dieses Material für Bibliotheken (wie auch für die Forschung in späteren Jahrhunderten) bedeutend weniger dankbar ist. Es wird gerechnet, dass weniger als 1 Promille überhaupt überliefert ist.
Die Herstellung, die übrigens schon von Plinius beschrieben wird (Rupprecht, S. 3), erfolgt aus der Papyrusstaude, einer 2 bis 3 m hohen afrikanischen Pflanze, deren Halme bis armdick werden und aus deren markigen Innengewebe die Papyrusrollen gewonnen wurden.
Wahrscheinlich kannte man Papyrus schon, bevor man es als Schreibmaterial einsetzte und verwendete es noch im 7. Jh. n. Chr., als die Araber Aegypten eroberten. (Schlott, S. 66) Obwohl es verhältnismässig billig ist, wurde es nicht selten zweiseitig beschrieben, ein alter Text abgewaschen und das Material neu verwendet.
Papyrus kommt in seiner Qualität dem Papier erstaunlich nahe. Es war ursprünglich weiss, also anders als die gealterten gelben oder bräunlichen Papyri, die aus der Antike zu uns gelangt sind.
Die Länge einer verkaufsfertigen Rolle soll übrigens 2,2 bis 4,8 m betragen haben. Die Breite (oder Höhe) variierte stark. In römischer Zeit waren 30-40 cm üblich. Die Produktion ist nur für Aegypten belegt, wurde aber vermutlich auch in Palästina und Mesopotamien und mit Sicherheit auch in Sizilien hergestellt. Die Behauptung, Aegypten habe ein eigentliches Monopol gehabt, wird kaum mehr vertreten; die Produktion aus dem Niltal dominierte aber stark. Darstellung röm. Paar)
"Die älteste erhaltene unbeschriebene Papyrusrolle stammt etwa aus der Zeit um 3000 v. Chr.; die älteste erhaltene beschriebene Rolle um 2700. In Aegypten erlosch die Produktion nach 1100. Im Osten ging man mehrheitlich zu Hadernpapier über, im Westen vorläufig zum Pergament. In Italien findet man die letzten Spuren in der päpstlichen Kanzlei und in Unteritalien bis ans Ende des 11. Jhs.
Geschrieben wurde mit der abgeschrägten Binse oder einem gespaltenen Schreibrohr". (Rupprecht 4ff)
Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen Leder, das selten auch zum Beschreiben genutzt wurde, und Pergament. Beide Materialien finden übrigens auch für den Einband Verwendung.
Pergament wird aber nicht gegerbt, sondern lediglich enthaart, gestreckt und getrocknet.
Die ältesten Funde von beschriebenem Pergament gehen auf die ägyptische 4. Dynastie zurück (ca. 2700 v. Chr.). Schreiben auf Pergament ist auch in Mesopotamien um 800 v. Chr. belegt.
Damit ist auch klar, dass die oft zitierte Aussage von Plinius, wonach Pergament eine Erfindung aus der Stadt Pergamum (heute Bergama, Türkei) zur Zeit von Eumenes II. sei, nicht der Realitiät entspricht (als Folge eines angeblichen Exportverbots des ägyptischen Pharaos).
Die Herstellung war zwar schwieriger, als die von Papyrus und damit auch teurer, Pergament war aber - gerade in feucht-heissen Klimazonen - haltbarer. Es wurde langsam zum wichtigsten Beschreibstoff und erreichte Rom wohl im 2. Jh. v. Chr. (Rück, S. 25)
Bis zur Verwendung in der Codex-Form schnitt man Pergament in rechteckige Stücke, die man zu Rollen zusammennähte. Beim Codex faltete man die Stücke zu Lagen (je nach Format) und band sie ein. (1x = Folio, 2x= Quarto, 3x= octavo).
"Pergament wird vor allem ab dem 3./4. Jh. n. Chr. verwendet und zwar vornehmlich für literarische Texte." (Rupprecht, S. 3)
Zwar wird Pergament schon in pharaonischer Zeit verwendet, spielt aber in Aegypten keine grosse Rolle.
Von allen "weichen" Beschreibstoffen ist Pergament für Bibliotheken, d.h. für die langfristige Aufbewahrung, am geeignetsten.
(Rück, S. 25f)
Natürlich gab es verschiedene Qualitäten, die nicht zuletzt vom Tier abhingen, von denen Pergament gewonnen wurde.
Die Papierprduktion ist eine Erfindung Chinas. Ts'ai Lun ist der erste Papiermacher, der in einem chinesischen Geschichtsbuch erwähnt wird: Im Jahr 105 n. Chr. berichtete er dem Kaiser, er habe aus Hanf, Bast, alten Fischernetzen und Lumpen mit Erfolg einen Beschreibstoff hergestellt. Dass das Papier in China aber schon vor dieser Zeit bekannt gewesen sein muss, das bezeugen Papierfunde, die in den Zeitraum von 140 bis 87 v. Chr. datiert werden. Diese ältesten Papiere waren aus Hanffasern hergestellt.
("Das Papier setzte sich schnell durch. Schon im 2. Jahrhundert gab es in China Papiertaschentücher und 363 n. Chr. erschien die Pekinger Zeitung, die erst 1936 eingestellt wurde. Im 6. Jahrhundert kam das Toilettenpapier auf.")
Rohstoff fernöstlichen Papiers ist in der Regel der Bast des Papiermaulbeerbaums. Dieser wird mit einer Lösung von Holzasche aufgeweicht und mit einem Klöppel so lange bearbeitet, bis der Bast sich in einzelne Fasern auflöst. Die Fasern werden in einem Behälter in Wasser suspendiert, worauf mit einem Sieb, das abnehmbar in einem Rahmen untergebracht ist, aus der Bütte durch Eintauchen und Herausnehmen ein Teil des Faserbreis geschöpft wird. Nach Ablaufen des Wassers verbleibt auf dem Sieb ein feuchtes Papierblatt, das unmittelbar für den Trocknungsvorgang abgenommen wird.
Von China aus erreichte die Technik der Papierherstellung um das Jahr 600 Korea, um 610 Japan. Der Zusatz von Pflanzenschleim sorgte für eine gleichmässigere Verteilung der Fasern bei japanischem Papier. 751 gerieten chinesische Papierhersteller in arabische Gefangenschaft. Begünstigt durch reiche Vorkommen an Flachs und Hanf sowie Wasser bauten die Araber mit dem eroberten Wissen in Samarkand eine blühende Papierindustrie auf.
Im 11. Jahrundert gelangte importiertes arabisches Papier über die Brückenköpfe Konstantinopel, Sizilien und Spanien in das christliche Europa. Die griechische Bezeichnung für den Beschreibstoff Papyrus wurde auf das neue Schreibmaterial ausgeweitet. Die Technik der Papierherstellung breitete sich im arabischen Raum über Syrien, Palästina, Ägypten und Marokko nach Spanien aus. Im 12. Jh. soll in Spanien (Valencia) eine blühende Papierwirtschaft bestanden haben. Für 1268 wird dann die Papierherstellung in Italien (Fabriano) bezeugt. 1338 steht eine Papiermühle in Frankreich (Troyes), und 1390 entsteht die erste nachweisbare deutsche Papiermühle in Nürnberg. Die ersten Papiermühlen der Schweiz standen in Freiburg (vor 1432) und Basel (1433); 1460 folgte Bern.
Der Beschreibstoff Papier löste nicht einhellige Begeisterung aus. Peter von Cluny schreibt über seine Studienzeit im maurischen Toledo, er habe dort Bücher aus Pergament, Papyrus und aus "abgenutzter Leinwand oder womöglich noch schlechterem Stoff" gesehen (Sandermann, 115). Kaiser Friedrich II. erliess ein Verbot, notarielle Urkunden und Erlasse auf Papier auszufertigen, und in den Statuten der Stadt Padua von 1236 wurde festgehalten, dass Urkunden auf Papier ohne Rechtskraft seien. Neben der geringeren Haltbarkeit gegenüber dem Pergament mag auch die arabische Herkunft des Papiers für dessen zögernde Verbreitung in christlichen Landen verantwortlich gewesen sein. Von der Gutenberg-Bibel wurden Exemplare sowohl auf Papier als auch auf Pergament gedruckt. Der Ablösungsprozess von Pergament zu Papier zog sich bis ins 17. Jahrhundert hinein, also über die Erfindung des Buchdrucks hinaus.
Die Technik der Papierherstellung blieb in den Papiermühlen über Jahrhunderte praktisch unverändert. Durch Wasser- oder auch Windkraft wurden die zuerst in Italien aufkommenden Stampfwerke in Bewegung gesetzt. Mit dieser Einrichtung wurden Lumpen (Hadern) in Fasern zerlegt. Die in einem Bütte genannten Behälter in Wasser suspendierten Fasern wurden wie schon im alten China mit einem Sieb geschöpft. Das so gebildete feuchte Papierblatt wurde abgepresst (gegautscht), getrocknet, geleimt und gepresst. (Sandemann)
Parallel zur Verwendung von Papyrus wurden auch Ostraka (sing. das Ostrakon) verwendet. Es handelt sich um Scherben von Tongefässen, auf denen Notizen, Abrechnungen und kurze Briefe geschrieben wurden. Für solche Zwecke war Papyrus wohl doch zu wertvoll.
Natürlich spielten gemeisselte Inschriften in Stein in allen Kulturen eine - wenn auch beschränkte - Rolle. (Sie sagen nicht zuletzt etwas über die Verbreitung der Lesefähigkeit aus.) Es werden Holztafeln verwendet, und recht verbreitet sind mit Wachs bestrichene Holztäfelchen - oft in der Form eines Triptychon oder Polyptichon. gr. Wachstafel) Solche Wachstafeln band man auch zusammen und versiegelte sie, um sie vor Fälschungen zu sichern. (Rupprecht 3) (s. auch weiter unten)
In asiatischen Kulturen verwendet man Palmblätter, die man ritzte, als Schreibmaterial eine Rolle.
Die Schriftrolle als klassische Form des Buches wurde nur allmählich vom Kodex, dem gebundenen Buch, wie wir es heute kennen, verdrängt.
Von der Verteilung der erhaltenen Manuskripte in Rollen- beziehungsweise Kodexform lässt sich ableiten, dass der Kodex um das Jahr 300 n. Chr. herum mit der Schriftrolle als Publikationsform gleichzog, um sich dann rasch durchzusetzen: Die archäologischen Funde aus Ägypten deuten darauf hin, dass die Schriftrolle 200 Jahre später gerade noch 10% des Marktes einnimmt. Eine besondere Stellung nehmen in der Geschichte des Kodex die christlichen Texte ein: Biblische Texte haben vom Beginn ihrer Verbreitung im 2. Jahrhundert an fast ausschliesslich Kodexform.
Über die Gründe, die zur Ablösung der Schriftrolle durch den Kodex führen, bestehen zahlreiche Theorien, doch ist nur wenig davon gesichert. So kann man vermuten, dass die Bindung des christlichen Schrifttums an den Kodex zur Durchsetzung des Kodex als übliche Buchform beigetragen hat. Weshalb aber das Christentum den Kodex bevorzugte, darüber lässt sich nur spekulieren. Archäologische Funde stammen schwerpunktmässig aus Ägypten und sind nur bedingt repräsentativ.
Kein nachweisbarer Zusammenhang besteht zwischen Buchform und Beschreibstoff: Zwar führt die Entwicklung längerfristig von der Papyrusrolle zum Pergamentkodex; auch die Pergamentrolle und der Papyruskodex sind jedoch durchaus gängige Formen, die in bestimmten geographischen Räumen und in bestimmten Zeitabschnitten über Jahrhunderte in Gebrauch waren. Papyrus und Pergament sind grundsätzlich gleichermassen geeignete Materialien. Allerdings hatte Pergament den entscheidenden Vorteil, dass es - das erforderliche handwerkliche Können vorausgesetzt - überall produziert werden konnte, während Papyrus aus Ägypten bezogen werden musste. Es gibt Hinweise darauf, dass die Verbreitung des Pergaments als Beschreibstoff in Pergamon und Rom mit den Einfällen des Antiochus Epiphanes in Ägypten (170-168 v.Chr.) und der daraus folgenden Papyrusknappheit in Zusammenhang zu bringen ist.
Mit Wachs beschichtete Holztafeln waren einer der ältesten Beschreibstoffe der Griechen. Es war durchaus üblich, mehrere Tafeln zusammenzubinden: das umfangreichste erhaltene Exemplar zählt 10 "Seiten". Während die Schriftrolle für eigentliche Bücher verwendet wurde, dienten Schreibtafeln im späteren Griechenland dazu, "vergängliche" Texte wie Entwürfe, Übungen, Berechnungen, Notizen etc. festzuhalten. Die Römer übernahmen diese Verwendung, benutzten Schreibtafeln aber überdies auch für Rechtsdokumente und Zertifikate. Als man in Pompeji den Wohnsitz des Bankiers Lucius Caecilius Jucundus freilegte, fand man sorgfältig geordnet 153 beschriebene Wachstafeln. Es handelte sich dabei um Quittungen über ausgeliehene Beträge, Belege über Pachtzins für Weideland, öffentliche Läden der Kolonie und andere Urkunden. Die Wachstafel muss eine wichtige Rolle im römischen Geschäftsleben gespielt haben. Die korrekte lateinische Bezeichnung für mehrere Schreibtafeln oder für "mehrseitige" Schreibtafeln war "codex". Im 1. Jh. n. Chr. begann man in Rom damit, die Holztafeln durch Pergamentblätter zu ersetzen. Es entstand das Pergament-Notizbuch.
Hinweise auf erste römische Bücher in Kodexform finden sich in einem Text von Martial aus den Jahren 84-86 v. Chr. Martial war so begeistert von der Neuerung, dass er gleich Namen und Adresse des Verkäufers anführte (Roberts/Skeats S. 24). Diesen ersten römischen Versuchen war aber offenbar wenig Erfolg beschieden: Die Konvention, verstärkt durch den griechischen Einfluss auf die römische Kultur, verlangte für Bücher die Form der Schriftrolle als ordentliche Publikationsform. Erst im 3. Jh. n.Chr. wird der Kodex allmählich "salonfähig". Dabei hat wohl das Christentum mitgeholfen: Die archäologischen Textfunde aus Ägypten zeigen, dass christliche Texte auffälligerweise von Beginn an fast ausschliesslich in Kodexform geschrieben wurden (Papyruskodex). Dies gilt vor allem für die Texte der christlichen Bibel, die sich im 2. Jahrhundert allmählich herauskristallisieren.
Weshalb das Christentum sich für den Kodex entschied, bleibt weitgehend im Dunkeln. So wird beispielsweise vermutet, die jüdische Praxis, einzelne isolierte Entscheidungen oder rabbinische Lehrsätze auf Schreibtafeln festzuhalten, könnte dazu geführt haben, dass die mündliche Lehre Jesu schliesslich in Kodexform festgehalten wurde (Papyruskodex). Der Kodex hätte den Christen zudem die Möglichkeit gegeben, ihre Schriften sowohl von denen der Juden als auch denjenigen der "Heiden" abzugrenzen.
So haben bei der Wahl von Rolle oder Kodex wahrscheinlich ideelle Überlegungen eine wichtige Rolle gespielt. Praktische Gründe mögen zur allmählichen Verbreitung des Kodex beigetragen haben, können aber kaum für die fast universale Wahl der Kodexform durch die Christen verantwortlich gewesen sein. Denn was als praktisch empfunden wird, ist oft relativ:
Bsp.:
Preis: Die Herstellung eines Kodex war schätzungsweise ca. 1/4 billiger. Gegen dieses Argument spricht aber z.B., dass mit dem Beschreibstoff nicht sehr ökonomisch umgegangen wurde und die Seiten z.T. sehr grosszügig beschrieben sind.
Kompaktheit: Der Kodex erlaubt es, mehr Text auf weniger Raum unterzubringen. Allerdings bestehen Zweifel daran, dass die Kapazität des Kodex zur Zeit seiner Einführung überhaupt erkannt wurde: bis ins 3. Jh. hat kein erhaltener Kodex mehr als 150 Blätter oder 300 Seiten. Das Argument, der Kodex könne aufgrund seiner Form ökonomischer gelagert werden, war wohl nur für Bibliotheksbesitzer relevant.
Es kann nicht gesagt werden, dass das Buch unbedingt handlicher als die Rolle war, wenn man die Handhabung der Rolle gewöhnt war. Für die Juden beispielsweise war dies kein Anlass, von der Rolle zum Kodex zu wechseln.
Zitat: Es ist argumentiert worden, in einem Kodex könne man Textstellen schneller auffinden, was das Zitieren erleichtere. Nun wurde aber im Altertum nicht wie heute exakt zitiert, und es gab auch keine verbindlichen Textausgaben. Die z.T. vorhandene Seitennumerierung diente eher dem Zweck, die Ordnung der Seiten beim Binden festzulegen und die Vollständigkeit des Textes zu garantieren (ein Nachteil des Kodex gegenüber der Rolle).
Die Schriftrolle blieb denn auch durch das ganze Mittelalter hindurch verbreitet: Während für Literatur aller Art der Kodex verwendet wurde, blieb für administrative Zwecke die Rolle über lange Zeit dominierend (v.a. auch England; vgl. z.B. die Patent Rolls). Die Rolle muss also auch Vorteile besessen haben, z.B. konnte bei Erweiterungsbedarf ein weiteres Stück Pergament ohne grosse Kunstfertigkeit oder Kosten einer Neubindung angenäht werden.
(Roberts, Sandermann)