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Universitätsbibliothek Bern

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Reformation

Der Kirchenhistoriker Bernd Möller (Deutschland im Zeitalter der Reformation, 36, 122) kommt um 1500 in Deutschland auf 400'000 Leser = 3-4% der Gesamtbevölkerung und etwa 1/3 der städtischen Bürger und Rolf Engelsing ergänzt, dass sich diese Zahl bis ans Ende des Jahrhunderts auf 800'000 verdoppelt hat. (S. 32)

Für London wird geschätzt, dass zur Zeit Shakespeares 1/3 bis die Hälfte der Bevölkerung lesefähig war.

Nach anderen Studien konnten in Frankreich 1600 16% der Männer lesen, in England und Wales 25% und in Schottland 15%. (Engelsing 32, 34)

Letzlich hilfreicher, wenn auch nur punktuell verwendbar, sind Detailstudien wie etwa die, wonach in Montpellier zwischen 1580 und 1590 die städtischen Handwerker zu 63% lese- und schreibkundig waren und in Béziers/Narbonne etwa zur gleichen Zeit die ungelernten Arbeiter zu 3%, die kleinen Bauern zu 10% und die Handwerker zu 34%.

Wie weit die Meinungen selbst der Zeitgenossen auseinandergingen, belegen Thomas Morus einerseites, der meinte, nur knapp 50% seiner Zeitgenossen in England könnten nicht lesen, während andrerseits der Bischof von Winchester 1647 befand, es sei nicht einmal ein Prozent. (Engelsing 32, 34)

Durch die Reformation und den Humanismus nahmen das Buchwesen und die Flugschriften einen ungeheuren Aufschwung.

Die Reformatoren haben das Schulwesen von der Volksschule bis zur Universität stark gefördert. Lesenkönnen war zwar keine eigentliche Bedingung zum Heil, erschien aber als Vorteil. Zudem brachten Bibelübersetzungen eine Aufwertung der Volkssprachen. In Strassburg wurde wahrscheinlich zum ersten Mal in der neueren Geschichte überhaupt nördlich der ALpen ein jedermann erfassendes Volksschulwesen errichtet.

Luther forderte in seiner 1524 erschienenen Schrift "An die Ratherren aller Städte deutsAches (sic) Land", dass sie "christliche Schulen aufrichten und halten sollen".

Das Resultat war eine Steigerung der Lesefähigkeit vorerst in den protestantischen Gebieten. Der religiöse Pluralismus hatte in dieser Beziehung eindeutig positive Wirkung. (Für England ist z.B. festgestellt worden, dass die Puritaner eher und besser lesen konnten als die übrige Bevölkerung. (Engelsing 45)

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