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Universitätsbibliothek Bern

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Etwas vereinfacht kann man sagen, dass sich in der griechischen Kultur und z.T. auch noch in der römischen ein Fenster auftut, in der Schrift und Bibliotheken von der Last und Macht des Kultes und der Obrigkeit befreit sind.

Dieses Fenster geht mit dem Übergang des Christentums zur Staatsreligion wieder weitgehend zu und sollte für Jahrhunderte geschlossen bleiben.

(Das christliche Abendland sollte dann - vor allem in der Zeit des Buchdrucks - sogar Instrumente erfinden, welche die Freiheit für das Schreiben und für die Bibliotheken bewusst einschränkten, ich meine damit den päpstlichen Index Librorum prohibitorum, also die Liste der verbotenen Bücher, die als Zensurkompendium von 1559 bis 1966 [also bis vor 30 Jahren!] in Kraft war und bei seiner letzten Aktualisierung von 1948 ganze 492 Seiten umfasste.

Ähnliches gilt für die Pflichtabgabe, die in Frankreich 1536 eingeführt wurde - etwas freundlicher als "Druckprivileg" bezeichnet -, die als Vorzensur verwendet werden konnte.

In diesen Bereich gehören natürlich andere offene oder versteckte Zensurformen [z.B. via Papierzuteilung für die Drucklegung], die in den Diktaturen des 20. Jhs. gepflegt wurden.)

  • Einher mit dieser vorübergehenden Öffnung gehen der Zweck und die Art der Benutzung: Interessant ist doch, dass die Bibliotheken im Römischen Reich - nach ersten Ansätzen in der klassischen griechischen Zeit - eine Funktion hatten, die sie erst wieder im 20. Jh. erhalten sollten: Sie waren ein Ort der Begegnung, des Informationsaustausches und nicht nur der stillen, individuellen Beschäftigung mit dem Buch, wie das im Mittelalter ausgeprägt der Fall sein sollte.
  • Während den ersten 500 Jahren in der Geschichte hatte Rom keine Bibliothek (nötig). Die frühen Römer waren ein praktisch gesinntes Volk von Bauern und Händlern ohne grosse Neigung zu höherer Bildung und ohne Literatur. Als die römische Geschichtsschreibung Ende des 3. Jahrhunderts begann (Q. Fabius Pictor), wurde sie griechisch geschrieben und erst später ins Lateinische übersetzt.
  • Wenn wir bis zur Zeitenwende keine öffentlichen Bibliotheken in dieser Stadt vorfinden, so hat dies aber auch zu tun
    a) mit dem fehlenden Wissenschaftsbetrieb und
    b) der Tatsache, dass die staatstragende Schicht in der Lage war, das für den persönlichen Gebrauch nötige Schrifttum selber zu beschaffen.
  • die privaten wie die öffentlichen Bibliotheken spielen neben den zahlreichen griechischen Lehrern und Sklaven eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der griechischen Kultur, wobei die "Fremdbestände" bis in die Zeit des Christentums sogar die grössere Zahl bildeten.
  • Dies geschah auf dem "ordentlichen" Weg durch Abschreibetätigkeit und Buchhandel ebenso wie durch spektakuläre Beutezüge.
    (Gleichsam als Nebenprodukt historisch fassbar wird in dieser Epoche auch die Tatsache, dass ganze Bibliotheken als Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen verschleppt werden.)
  • Auffallend fragmentarisch bleibt unser Wissen über Grösse und Betrieb und Untergang der Sammlungen. Im Vergleich zu Theatern oder Monumentalbauten anderer Art haben sie erstaunlich wenig Spuren hinterlassen.
  • Und unbefriedigend ist letztlich auch der Kenntnisstand über Bibliotheken in der Provinz.
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