- Die überwiegende Mehrzahl der mittelalterlichen Bibliotheken haben
wissenschaftlichen Charakter (patristische, scholastische Werke, antike Schriftsteller,
Erbauungsliteratur, kanonisches Recht), liturgische Bücher.
- Eine durchschnittliche mittelalterliche Bibliothek schwankte zwischen einem
Dutzend und 2000 Bänden.
- In karolingisch-ottonischer Zeit waren 200-300 Bücher eine gute, 500-600
Werke eine sehr gute Bibliothek. Das Kloster von Bobbio (Italien) besitzt
am Ende des 9. Jahrhunderts fast 900 Codices, und dies gilt als grösste
Sammlung der Zeit. Am Ende des hohen Mittelalters (um 1300) hat die Bibliothek
der Päpste in Avignon ihre höchste Bestandszahl mit 2000 Bänden.
- Im 15. Jahrhundert durch den Buchdruck natürlich Anwachsen der Bestände.
"Gute Bibliotheken, die auf einem im Frühmittelalter begonnenen
alten Bestand weiterbauten, wiesen 600-800 Bände auf, die besten erreichten
1500-2000 Bände." (in Deutschland) (Buzás 140)
Bestandesvermehrung
- Schreibstuben
- Die Produktion von Büchern ist im Früh- und Hochmittelalter
fast ausschliesslich das Werk der Klöster.
- Sie erfolgt in den Skriptorien der Kloster- und Dombibliotheken.
Das Skriptorium war meist mit der Schule und der Bibliothek räumlich
und personell eng verbunden.
- Baulich handelte es sich dabei meist um einen grösseren Raum,
in dem mehrere Klosterbrüder arbeiten konnten (oft nach Diktat);
bei den Zisterziensern sind es kleine Zellen.
- Universitäten beschäftigten vereinzelt auch hauptberufliche
Laienschreiber.
- Kauf und Tausch
machten bis zum Spätmittelalter nur einen kleinen Bruchteil der Buchanschaffungen aus. (Voraussetzung dazu war überhaupt
der Übergang zur Geldwirtschaft.)
- Ein Buchhandel wie in hellenistischer Zeit oder unter den römischen
Kaisern gab es im Frühmittelalter und Hochmittelalter kaum mehr -
lediglich Deckung des Eigenbedarfs. Allenfalls schickte man einen Klosterbruder
oder erbat sich ein Buchexemplar zur Abschrift. (Buchhandlung)
- Ein besonderer Bedarf an Literatur herrschte seit dem 13. Jahrhundert
an den Universitäten. "Übereinstimmende und sorgfältig
durchgesehene Texte der gebräuchlichsten Quellen, Kommentare, Traktate
und Kompendien wurden gebraucht; dadurch erwies sich eine feste Regelung
des Schreiberwesens. Die ältesten Gesetze sind zu Bologna (1259,
1289 und 1334) und zu Paris (1275 und 1316) gegeben. Das Verleihen und
die Vervielfältigung von Handschriften war Beamten übertragen,
die die Bezeichnung Stationarii trugen. Sie verliehen diese Bücher
entweder an die Studierenden zum Abschreiben, oder liessen sie auf Bestellung
durch Lohnschreiber nach obrigkeitlicher Taxe vervielfältigen. Daneben
durften sie verkaufen. Dieser Handel war, wenigstens mit den gebräuchlichen
Lehrbüchern, kein freier. In Bologna waren es 117 Werke, die jeder
Stationarius vorrätig halten und in einem aufzulegenden Katalog als
wirklich vorhanden nachweisen musste." (Handbuch 1: 729 f)
In England hat sich auch der Name "Stationers" für
Papier- und Schreibmaterialienhändler bis zur Gegenwart gehalten.
- Schenkungen und Vermächtnisse
- Spielen in der ganzen Berichtszeit eine sehr grosse Rolle.
- Durch Novizen als Geschenk beim Eintritt.
- Als Stiftungen für eine Gegenleistung in der Form von Jahrtagmessen,
oder ganz einfach aus dem Wunsch, einen Bestand zu sichern.
Grundsätzlich: Die langsame Einführung
des Papiers seit dem 13. Jahrhundert bedeutete noch keine wesentliche
Erleichterung der Buchproduktion (Senkung der Kosten), solange der Buchdruck
noch nicht existierte.
Bestandesverluste:
- kriegerische Ereignisse, Brände, Plünderungen, Klosteraufhebungen.
- Verluste durch Benützung (Diebstähle durch Privatpersonen, Vertreter
anderer Bibliotheken).
- "Naturbedingte" Verluste: Ungeziefer, Nagetiere, Feuchtigkeit.