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1. Stufe: (bei Beständen von wenigen Dutzend oder hundert Bänden)
Gedächtnis des Bibliothekars.
Als Gedächtnisstütze diente ein weitverbreitetes grobes Schema: Bibeln / Kirchenväter, Liturgische Werke, sonstige Theologie / Profanliteratur. Bezeichnend für diese Stufe ist eine Bemerkung des Bibliothekars von Admont, Peter von Arbon (1370) "Bibliothecarius ..., libros ... quot et ubi sint memoria retineat, nomina vel auctores singulorum sciat." Es kam also vor allem darauf an zu wissen, wieviele Bücher vorhanden waren und wo sie zu finden waren.
2. Stufe: Inventarisierung (nicht = Katalogisierung), zur Kontrolle
Dies ist die häufigste Form der mittelalterlichen "Kataloge". Solche Inventare sind übrigens auch häufig in den Mönchsregeln vorgesehen. Das Vorgehen ist meist recht einfach: Vermerk des Verfassers und (oder) des Titels; waren diese unbekannt, so behalf man sich mit den Anfangsworten des Textes. Seit dem 14. Jahrhundert zusätzlich manchmal der Anfang des 2. oder 3. Blattes. "Sie bezweckt das sichere Wiedererkennen der einzelnen Handschrift und sollte den Austausch eines Bandes gegen einen weniger wertvollen gleichen Inhalts verhindern." (Handbuch 1: 270)
Sind mehrere Werke zu einem Band vereint, was ja im Mittelalter wegen des Mangels an Schreibmaterialien häufig war, so wird meist nur der 1. Titel vermerkt. - Mit anderen Worten: Die Kataloge dienen nicht den Benützern, sondern als Nachweis für den Besitzstand. Dementsprechend wurden auch Besonderheiten wie kostbare Ausstattungen (Miniaturen, Goldschnitt, wertvolle Einbände usw.) besonders vermerkt.
Seltener sind Zusätze wie: Angaben über Vorbesitzer, Schriftart (z.B. 30 "libri scottice scripti" im ältesten Handschriftenverzeichnis aus der Mitte des 9. Jahrhunderts aus St. Gallen), über Sprache (nur wenn nicht in Latein, z.B. "vulgariter, in theutonico, libri anglici"), manchmal auch Bemerkungen über Format oder Schreibstoff (in papiro oder in pergameno). Manchmal finden wir noch die Höhe des Leihpfandes oder die anzufordernde Busse im Falle eines Verlustes. Auffallend ist, dass diese Bücherverzeichnisse oft - unter sparsamer Ausnützung des Raumes - in andere Bücher eingebunden sind.
Zwei Erklärungen sind denkbar: Man wollte diese Listen mehr oder weniger geheim halten, um grösseren Diebstählen vorbeugen zu können. Oder es lag am allgemeinen Schreibmaterialienmangel. Im Spätmittelalter gibt es dann freilich beachtliche (selbständige) Inventarcodices.
3. Stufe: Erschliessung durch Aufstellungsordnung.
Eine verfeinerte Systematik bei der Aufstellung ersetzt zwar keinen Katalog, ist aber für den Benützer immerhin eine Hilfe: Dazu dienen die im 14. Jahrhundert noch sporadischen, im 15. dann sehr häufigen Pultsignaturen und z.T. schon Individualsignaturen:
"Dem Benutzer gaben auch plakatartige Kataloge, nämlich auf Holztafeln geklebte Bücherlisten aus Pergament oder Papier, raschen Aufschluss. Fehlten solche, so mochten an den Seitenwänden der Pulte und Schränke oder auf den Deckeln der Büchertruhen kurze Hinweise zu finden sein." (Handbuch 1: 273)
4. Stufe: Eigentliche Kataloge
Sie erscheinen erst im Spätmittelalter und werden nur von wenigen Bibliotheken geführt. Wir finden aber bereits die 3 Teile des modernen Katalogwesens: St andort-, Verfasser- und Sachkatalog. Der erste Schritt in Richtung "Sachkatalog" waren die nach der Reihenfolge ihrer Feste im Kirchenjahr zusammengestellten Heiligenviten, die man damit bequem zur Tischlesung bereit hatte. (Erstes solches Beispiel: St. Gallen schon im 9. Jahrhundert!)
Die kontinuierliche Ergänzung der Kataloge war die Ausnahme; vielmehr schrieb man sie in grösseren Zeitabständen mit den anfallenden Ergänzungen neu ab.
Gesamtkataloge, sofern überhaupt vorhanden, sind meist Aneinanderreihungen der einzelnen Inventare.
Der Übergang zu eigentlichen Kompilationen wird in Grossbritannien gemacht.
"Dort besassen seit der Mitte des 14. Jahrhunderts die Franziskaner zwei Verzeichnisse, welche die Bestände von 186 nicht- franziskanischen Bibliotheken Englands in Form eines Schrifstel- lerkatalogs nachwiesen." (Handbuch 1: 276)
Der Ausdruck "Katalog" taucht übrigens erst um 1500 im "Informatorium bibliothecarii" von Carpentarius auf: "Index sive catalogus librorum". Vorher sprach man in Varianten, etwa von "Isti sunt libri..." oder "Notati sunt libri infra scripti..."