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Universitätsbibliothek Bern

Titelbild

Die karolingische Renaissance

Die Begriffe "karolingische Schrift", "karolingisches Buchwesen" deuten darauf hin, dass um 800 in diesen wie auch in anderen kulturellen Bereichen ein Höhepunkt mit eigenem Gepräge festzustellen ist.

Voraussetzung: Zusammenzug von Lehrern und Gebildeten aus Frankreich, Grossbritannien, Italien, Deutschland

Bibliothekswesen:

  1. Büchersammlung am Hof, gespiesen durch die zuwandernden Gelehrten selber und auswärts erstellte Abschriften, Geschenke (Palastbibliothek in Aachen). Über ihren genaueren Bestand und Aussehen sind wir nicht informiert, ebensowenig über ihr Ende. (In seinem Testament verlangte Karl der Grosse den Verkauf der Bücher und die Verteilung des Geldes unter die Armen. Es wird aber bezweifelt, ob es sich dabei um die ganze Bibliothek handelte und nicht eher seine persönlichen Werke.)
  2. Bibliothekswesen des ganzen Reiches:
    - Die Ersetzung der gallikanischen Liturgie durch die römische bedeutete einen vorübergehenden zusätzlichen Bedarf an Liturgiebüchern.
    - Die Sorge um die Predigt: Homiliar Karls des Grossen = eine Zusammenstellung patristischer Predigten in der Folge des Kirchenjahres (= berühmteste Predigtsammlung des Mittelalters).
    - Verbesserung der Ausbildung: Die Kleriker sollten an Kloster- und Domschulen ausgebildet werden.

Zusammenfassend: "Die Sorge Karls galt über die Hofbibliothek hinaus dem Bibliothekswesen des ganzen Reiches. Sie erschöpfte sich nicht nur in Zuweisungen an die einzelnen Sammlungen, sondern auch auf den Einband, wenn den Klöstern Jagdgründe zugewiesen werden, die das nötige Leder liefern. Die Missi dominici mussten auf die Handschriften achten. Die Notwendigkeit korrekter Texte (libri bene correcti), auch für die Hand des einfachen Geistlichen, wird betont. Das Abschreiben sei die Arbeit gereiften Alters und dürfe nicht den Knaben überlassen werden. An vielen Stellen werden die ältesten und besten Handschriften aufgesucht, verglichen, Kollationen am Rande vermerkt." (Handbuch 3,1: 341)

Die gleiche Sorgfalt wurde verwendet auf das äussere Gewand der Bücher, auf die Buchmalerei und die Kalligraphie (karolingische Minuskel, die nicht etwa "auf Befehl Karls" entstand, wie manchmal der Eindruck erweckt wird, sondern im Rahmen dieser gesamten kultuellen Reformen, wohl auch unter dem Einfluss der Gelehrten aus verschiedenen Kulturkreisen entstand). (Handbuch 3,1: 341, Buzás 13)

Dazu ein kleiner Exkurs über den Wert von Büchern im Mittelalter: Für ein grosses Doppelblatt eines mittelalterlichen Kodex benötigte man unter Umständen die Haut eines ganzen Tieres. Man hat ausgerechnet, dass z.B. für das berühmte Evangeliar Heinrichs III. aus dem 11. Jh. (heute im Escorial) für seine 170 Blätter 85 Kälber benötigt wurden.

Ein Mönch Ulrich erhielt als Gegenleistung für ein Messbuch von grossem künstlerischem Wert vom Grafen von Bozen einen Weinberg. -

Für den Codex Amiatinus, einer angelsächsischen Bibel aus der Zeit um 800, mussten 520 Kälber ihr Leben lassen.

Damit ist auch angedeutet, dass ein Buch damals nicht einfach Informationsträger war, wie das für uns heute der Fall ist, sondern ein Träger religiöser Bedeutung, der z.T. behandelt und verwahrt wurde wie eine Reliquie. (Schmitz 21, Jochum 61)

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