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Streng genommen müssten wir von einer "Re-Missionierung" sprechen, denn die meisten der davon betroffenen Gebiete (Gallien, Germanien) waren im Römischen Reich natürlich christlich gewesen. Der Einflussbereich der antiken christlichen Kultur hatte sich aber immer weiter in den Süden zurückgezogen, was sich beispielsweise an den unterbrochenen Bischofssukzessionen ablesen lässt.
In dieses "christliche Vakuum", von dem Germanien noch stärker betroffen ist als Gallien, stossen nun drei Missionierungswellen.
Vorab als Einschub aber noch ein Hinweis auf die Herkunft des Mönchtums auf dem europäischen Kontinent.
Bei all diesen Missionsvorstössen spielte die Buchversorgung eine wichtige Rolle, ja sie war die Grundlage für deren Wirksamkeit. Sie bestand einerseits in der Verbreitung (Beutelbuch) und andererseits in der Abschreibetätigkeit, also der Gründung von Skriptorien in den neuen Klöstern. Ich zitiere hierzu Ladislaus Buzás (S. 5): (Book of Kells) "Die irische Mönchskultur ist auch in bibliotheksgeschichtlicher Hinsicht eines der fesselndsten Phänomene der Geistes- und Kulturgeschichte des Frühmittelalters. (...) Die Iren scheinen nicht nur vom religiösen und profanen Inhalt der Bücher, von Bildung und Wissenschaft fasziniert gewesen zu sein, sondern auch für das Buch als materielles Objekt eine beispiellose Besessenheit gehabt zu haben. Nicht nur die Umgestaltung der römischen Schrift und die Schönheit der unverwechselbaren irischen Buchmalerei sind Zeugen für die Besessenheit der Iren, sondern auch zahlreiche historische und literarische Nachrichten, in denen das Buch geradezu als Attribut des Irischen erscheint. In einer Blütezeit von fast 4 Jahrhunderten fasste die irische Mönchskultur auch in England Fuss..." (Diese Kultur wurde dann allerdings durch die Normannen im 8. und 9. Jh. zerstört.) Das Book of Durrow (ca 680) oder das Book of Kells (ca. 800) legen von dieser Kultur bis heute Zeugnis ab. (Schmitz 16)
Für Deutschland war besonders das Wirken von Bonifatius (+754) (oder Winfried, wie er eigentlich hiess) in der ersten Hälfte des 8. Jhs von Bedeutung: Er liess Schulen und Skriptorien in den Bischofssitzen und Klöstern errichten, die den Anfang der bedeutenden mittelalterlichen deutschen Schreibkultur darstellten. (Schmitz 16)