| Kontakt | Lageplan | A-Z Index | Sitemap | Drucken 

Universitätsbibliothek Bern

Titelbild

Neue Orden und Klosterreformbewegungen

(Klosterreformbewegungen aus Atlas z. KG)

Die Geschichte des Mönchtums im Mittelalter kennt zahlreiche Brüche und Neuanfänge, die uns heute kaum mehr vertraut sind. Ich kann darauf im Detail nicht eingehen. Im wesentlichen ging es

a) um Reformbewegungen im Hochmittelalter

  1. Cluny (Burgund) 910
  2. Cîteaux (Dijon)
  3. Chartreuse (Südostfrankreich) 1084

und
b) um Neugründungen in mehreren Wellen

(Karthäuser 1084), Zisterzienser (1098), Franziskaner (1209), Dominikaner (1212)

Diese Bestrebungen richteten sich gegen ein gesättigtes, reiches, verweltlichtes Mönchtum - bis die neuen Bewegungen dann selber wieder "etabliert" waren.

Sie hatten aber unmittelbare Auswirkungen auf die Bibliotheken. Wo Armut, Askese, körperliche Arbeit wichtig sind, auch wieder auf einfachste Bauweise der Klöster geachtet wird, wie dies mindestens vorübergehend der Fall war, wie etwa bei den Franziskanern, ist auch die Bibliothek nicht vorhanden oder höchst bescheiden. Oft war diese Entwicklung begleitet von einer erneuten Verengung des Literaturkanons. (Jochum 67f, Schmitz 33-40)

Dennoch war bald das Bedürfnis erneut da für Werke zur Erbauung und für die Liturgie.

Wie weit die Spannbreite der Entwicklung gehen konnte, zeigt das Beispiel der Dominikaner, die ähnlich wie die Franziskaner anfangs geringe Neigung zur Schriftlichkeit zeigten. Später erhielt die Literaturkenntnis bei diesem Orden als wichtiger Träger der Inquisition grosse Bedeutung.

Eine späte Aufwertung des Buches (14./15. Jahrhundert) fand im Rahmen der devotio moderna statt, einer stark mystische Frauen- und Männer-(Laien-)Ordensbewegung, bei der das Buch und die stille Lektüre sehr wichtig waren (Gerhard de Groote, Thomas a Kempis). Wichtigste Zentren: Niederlande, Rheinland, Norden des Deutschen Reichs.

Exkurs: Frauenklöster

Das Urteil in der Forschung in bezug auf die Bibliotheken der Frauenklöster ist ziemlich einhellig: "Die Bibliotheken der Frauenklöster waren in der Regel unbedeutend." (Schmitz 85) Belege für grössere Sammlungen stammen mehrheitlich aus dem 15. Jh., z.T. im Zusammenhang mit der Reformbewegung der devotio moderna. Dies gilt zumindest für Deutschland. Allerdings muss man sogleich ergänzen, dass die entsprechenden Forschungen noch nicht weit gediehen sind. Ich kann deshalb zur Begründung mehr Vermutungen als gesicherte Argumente angeben:

  • Viele frühmittelalterliche Klöster wurden als Doppelklöster gegründet, und die Frauen unterstanden seelsorgerisch und kirchenrechtlich dem Abt des Männerklosters.
  • Da Frauen keine Messe lesen konnten, war der Anreiz zum Erlernen des Lateins geringer.
  • Bei der manuellen Tätigkeit stand die weibliche Handarbeit in Konkurrenz zur Schreibtätigkeit.

(Andrerseits hatten die Schulen für Mädchen aus der Oberschicht einen wichtigen Stellenwert, da auch Lesen, Schreiben, Musik und Rechnen zur Frauenbildung im Spätmittelalter und z.T. schon im Hochmittelalter gehörte. - Sie waren darin ihren Gatten nicht selten überlegen, die Fertigkeiten für Kampf und Jagd zu erwerben hatten.) (Buzás 85-87)

Exkurs zum Begriff Bibliothek

Der griechisch-römische Ausdruck "bibliotheca" ist zwar im Lateinischen seit der Antike bekannt; im Mittelalter ist aber "libraria" eindeutig weiter verbreitet. Das gilt auch für die deutsche Sprache, wo man "Liberey", "Librarey" oder "Librerey" ableitete. Erst im Humanismus und in der Reformation setzte sich "bibliotheca" wieder durch.

Im Deutschen verwendete man daneben lange Zeit das althochdeutsche "buohfaz" (Bücherfass), da Bücher in Fässern transportiert wurden. Auch "buohchamera" soll noch im 16. Jh. in Gebrauch gewesen sein.

("Libraria" wiederum hatte in der Antike eine andere Bedeutung, nämlich "Skriptorium", "Buchhandlung". - Es lebt im englischen für Bibliothek weiter, während in den meisten romanischen Sprachen "libreria", "librairie" für Buchhandlung bestehen blieb.) (Buzás 137)

Nach all diesen Präliminarien können wir uns endlich dem Antliz einer durchschnittlichen mittelalterlichen Klosterbibliothek zuwenden.

Universität Bern | Universitätsbibliothek | Münstergasse 61/63 | CH-3000 Bern 8 | Tel +41 (0)31 631 92 11 | Fax +41 (0)31 631 92 99
© Universität Bern 06.11.2007 | Impressum