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Universitätsbibliothek Bern

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Die Formen von Bibliothekszerstörungen haben wir eingangs dieser Stunde bereits aufgelistet.

Es gilt hier im Sinne einer Zusammenfassung noch die Motivation nachzutragen.

In der Reformation stand ein "Ideologiewechsel" im Vordergrund. Nur sekundär und kaum in bezug auf das Buchgut spielte die "Bereicherung" einer neuen staatstragenden Schicht eine Rolle. Im Gegenteil, man suchte ideologisch nicht mehr genehmes Gedankengut zu vernichten. Ein Verständnis für dessen künstlerischen Wert - unabhängig vom Inhalt - ist bei den neuen Machthabern kaum zu verspüren. (Dieser Frage gälte es aber noch nachzugehen, z.B. bei Vadian und der Gründung der "Vadiana", der heutigen Kantonsbibliothek St. Gallen.)

Im sog. Tausendjährigen Reich stand ebenfalls ein Ideologiewechsel im Vordergrund. Wobei man den Bibliotheken und ihrem Personal eine wichtige volkserzieherische Rolle beimass und über den Einfluss auf den Bestand hinaus eine Vielzahl von Massnahmen traf, um die Bibliotheken gleichzuschalten.

Gerade umgekehrt verhält es sich bei der Französischen Revolution: Die Konfiskationen dienten primär der Alimentierung der Staatskassen, gleichzeitig konnte man Adel und Kirche treffen. Der Faktor "Ideologiewechsel" ist zwar auch auszumachen, er war für das Buchgut aber eher von untergeordneter Bedeutung. Eine Triage der Bücher beim Übergang von den dépôts littéraires in neue Bibliotheken war zwar vorgesehen - aber wenig erfolgreich. Die Umlagerung und Neuzuteilung dieser gewaltigen Mengen von Kulturgut überforderte den Staat hoffnungslos.

In den ersten zwei Beispielen ist noch die unkontrollierte Zerstörung von Buchgut durch die Bevölkerung festzustellen. (Zerstörung von Schrifttum in der Hoffnung, belastende Rechtstitel vernichten zu können - so in der Reformation und der Franz. Revolution.) Beim Beispiel des Nationalsozialismus ist dies angesichts des durchorganisierten Staates weniger der Fall. Selbst die Bücherverbrennungen waren von oben angeordnet und hatten nicht spontanen Charakter.

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