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In der Berichtszeit beschleunigt sich die Entwicklung der Wissenschaft in einem bisher nicht gekannten Masse. Dies gilt vor allem für die Naturwissenschaften (Astronomie, Physik, Chemie, Botanik und Zoologie). Dazu kommt die neu entwickelte höhere Mathematik (Newton und Leibniz).
Diese Forschungsarbeit wird in erster Linie von Einzelpersönlichkeiten ausserhalb der Universitäten geleistet. Nur zögernd nehmen die alten Universitäten die naturwissenschaftlichen Lehren in ihren Fächerkanon auf.
Neue Publikationsformen: Bücher waren keineswegs die einzigen Produkte der frühen Buchdruckereien. Beliebt waren Einblattdrucke, die der raschen Verbreitung von Neuigkeiten oder als Propagandaschriften (v.a. seit den konfessionellen Auseinandersetzungen) dienten. (Einblattdruck)
In der hier zu besprechenden Epoche kommt ein neues Element dazu: "'Zeitung'. Mit einem Male war das Wort da, das allmählich eine ganze Welt für sich bedeuten sollte. Im gedruckten Schrifttum trat es zum ersten Male nicht als Haupttitel auf, sondern nur als Überschrift 'Newe zeytung vom Orient und auffgange' über einem am 4. Dezember 1501 niedergeschriebenen und verdeutschten Bericht des Dogen Leonhard Lauredan. Rasch war die 'Neue Zeitung' im Verlaufe des 16. Jahrhunderts die beliebteste Form der Berichterstattung über die Geschehnisse, welche die Öffentlichkeit angehen, über Feldzüge, Schlachten, Naturereignisse..." (Schottenloher 322)
Manchmal gab es Fortsetzungsberichte, indem es etwa hiess: "Achte neue Zeitung aus der Kaiserlichen Mayestät Feldlager in Ungarn."
1583 führte Michael von Aitzing jeweils für die Frankfurter Frühjahrs- und Herbstmessen (also halbjährlich) seine "Nova historica relatio, das ist eine neue historische Beschreibung der gedenkwürdigen Händel und Geschichten" ein. Darin waren die wichtigsten Ereignisse der vorausgehenden Monate enthalten.
Wenig bekannt ist die Tatsache, dass die erste Monatszeitung - und damit das erste eigentliche Periodikum - 1597 in Rorschach erschien, wenn auch nur während eines Jahres, nämlich das "Annus Christi". (Dilbaum)
1609 schliesslich erscheinen die ersten beiden Wochenzeitungen:
- Die "Relation aller fürnemen und gedenkwürdigen Historien,
so sich hie und wider in diesem 1609 Jahr verlaufen und zutragen möchten"
(gedruckt in Strassburg) und die
- "Avisa, Relation oder Zeitung" (Wolfenbüttel oder Helmstedt).
Diese beiden Titel gelten als erste Zeitungen der Welt, auch wenn sie noch den äusseren Habitus eines Buches trugen und eigentlich berichtende Chroniken waren.
Am 1. Januar 1660 erschien in Leipzig schliessslich die erste Tageszeitung, die "Neu einlaufende Nachricht von Kriegs- und Welthändeln".
Bis ins 20. Jh. sollte sich die Erscheinungsfrequenz noch erhöhen: Die "Neue Zürcher Zeitung" erschien bis September 1969 dreimal täglich (Morgen-, Mittags- und Abendblatt), anschliessend bis Oktober 1974 noch zweimal täglich.
Die heute unübersehbare Flut von über 100'000 wissenschaftlichen
Zeitschriften (im strengen Sinne) nahm im Jahre 1665 ebenfalls mit zwei Gründungen
ihren Anfang: mit dem
- "Journal des Sçavans" (Paris) und den
- "Philosophical Transactions" (London).
Zur Diversifizierung des Schriftenwesens trugen auch die Enzyklopädien und Lexiken der Aufklärungszeit bei. Im Umfeld der Universitäten entstanden Dissertationen, Lehrbücher und Handbücher. In der Belletristik wuchs die Produktion v.a. gegen Ende des 18. Jhs.
Im Buchhandel kam es nach einem vorausgehenden Trennungsprozess von Druck und Verlag zu einer zweiten Arbeitsteilung in unserer Berichtszeit, nämlich zwischen Verlag und Einzelbuchhandel.
In Deutschland mit seinem dezentralen Verlagswesen sind Buchmessen von grosser Bedeutung; im 16. und 17. Jahrhundert in erster Linie Frankfurt, seit dem 17. Jahrhundert wird Leibzig bedeutender.
Der heute weltweit effizienteste Buchhandel im deutschsprachigen Raum hat in dieser Epoche seine Wurzeln.