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Universitätsbibliothek Bern

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Die 5 Einflüsse auf die Bibliotheksarchitektur vom Anfang nochmals aufnehmen:

Die von Anthony Thompson einleitend angeführte Form des Bibliotheksguts hat sich eigentlich wenig auf den Bibliotheksbau ausgewirkt; entscheidender sind Bestandesgrösse und Benutzerzahlen.

Raumbedarf: Dieses Element hat die Bibliotheksarchitektur vom Mittelalter bis zur Gegenwart zweifellos am meisten beeinflusst. Ausgehend von der Bücherkiste wurde ein kleiner Bibliotheksraum nötig, dem in der Renaissance ein Saal folgte und - nach Vorläufern im 18. Jh. - im 19. und 20. Jh. entsprechend den steigenden Büchermengen eine grosse Zahl von selbständigen Bibliotheksgebäuden.

Überraschend ist der Umstand dass es - mit 2 Ausnahmen - bis ins 19. Jh. keine Bibliotheksarchitektur gibt im Sinne von selbständigen Bauten.

Das 19. Jh. ist dann fast ausschliesslich historisierenden Formen verpflichtet; erst das 20. Jh. zeigt eigenständigere Formen.

Gesellschaftspolitisch ist unverkennbar, dass Bibliotheken dort gebaut wurden, wo die Macht und die Mittel waren: Im 18. Jh. - um nur ein Beispiel zu nennen - dominieren Kirchen- und Fürstenbibliotheks- neubauten, und es gibt kaum vergleichbare universitäre oder städtische Bauwerke.

Überblickt man die geographischen Schwerpunkte, so kommt man zum folgenden Ergebnis:

  • Italien dominiert in der Renaissance;
  • spätestens im 18. Jh., also im Barock, geht der erste Rang in den süddeutsch-österreichischen Raum über (mit den erwähnten Ausstrahlungen in die Schweiz und in österreichisch beherrschte Gebiete).
  • Mit der Ste. Geneviève und der Bibliothèque Nationale geschieht in der ersten Hälfte des 19. Jhs. in Frankreich entscheidend Neues, auch wenn anschliessend die Verhältnisse nicht mehr so klar sind. Auch Grossbritannien (Library of the British Museum) und Deutschland mit je einer grossen Zahl von neuen öffentlichen und universitären Bibliotheken v.a. zwischen 1870 und 1914 leisten Interessantes.
  • Im 20. Jh. - mindestens in der ersten Hälfte - sind dann die amerikanischen Bauten am innovativsten.

Erwähnenswert sind für die letzten 3 Jahrzehnte auch Holland und Skandinavien.

Rückblickend sieht es so aus, als seien die Bibliotheken im 19. und 20. Jh. - in dieser Reihenfolge - in erster Linie für die Bücher, dann für die Bibliothekare und Bibliothekarinnen und erst in dritter Linie für die Benutzerinnen und Benutzer erbaut worden. (Einzig in den USA im 20. Jh. ist die Reihenfolge der letzten zwei Kategorien umzukehren, da dort die MitarbeiterInnen unter äusserst beengenden Verhältnissen zu arbeiten haben, während den LeserInnen grosszügige und differenzierte Räume zur Verfügung stehen.)

Weshalb haben Architekten (und Bibliothekare) sich nicht auf die Antike besonnen, wo die Leser unter der Säulenhalle hin- und herwandeln konnten?

Weshalb wurden nicht mehr Leseterrassen sowie offene oder gedeckte Wandelgänge zur Verfügung gestellt? (Unsere eigene zentrale Universitätsbibibliothek, die StUB, ist ein typisches Beispiel für die Vorstellung, dass der Leser sich ausschliesslich an seinem Arbeitsplatz oder allenfalls im Katalogsaal befinden soll. (Es gab ursprünglich keinen Raum für andere Aufenthaltsarten.) Lernen heisst aber immer auch Gedankenaustausch - und nur schon für die nötigen Pausen muss die entsprechende Infrastruktur vorhanden sein. Dies gilt sowohl für wissenschaftliche Bibliotheken wie auch für allgemeine öffentliche Bibliotheken.

Und weshalb gönnt man den Benutzerinnen und Benutzern nicht den Ausblick auf eine anregende Landschaft oder wenigstens in eine begrünte Zone? Gerade das Beispiel der neue Bibliothèque de France zeigt wieder, dass immer noch die Vorstellung vorherrscht, die Lernenden müssten möglichst in geschlossene Räume mit Kunstlicht und Klimaanlage versetzt werden, wenn sie wirklich kreativ sein sollen.

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