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Universitätsbibliothek Bern

Titelbild

Fürstenbibliotheken

Ganz kurz noch zu den Fürstenbibliotheken, wo wir allerdings kein vergleichbar einheitliches Bild gewinnen können wie bei den kirchlichen Sammlungen - ja sie sind keineswegs eine Selbstverständlichkeit wie im Kloster. Milkau (21) schreibt zu recht: "Bis weit in das 18. Jh. hinein war die Bibliothek auf den Zufall der persönlichen Neigung der Fürsten abgestellt. Es gibt berühmte Schlossbauten des 18. Jhs., wo wir vergebens nach einem Bibliotheksraum Umschau halten. Aber auch wo die Neigung, Bücher zu sammeln, vorlag, konnte sie sich beschränken auf den persönlichen Interessenkreis oder sie konnte, wie das nach und nach geschah, darüber hinausgreifen und die Sammlung der Öffentlichkeit nutzbar machen. Hier liegen dann auch die Anfänge der Landesbibliotheken. Zum Bedürfnis eines grösseren, geschlossen zu haltenden Bücherbesitzes musste freilich noch der architektonische Stilwille hinzutreten, der Wunsch, der Büchersamlung den künstlerischen Rahmen zu geben. Wo dieser Wille fehlte, konnte selbst eine grosse Sammlung ohne anschauliche Nachwirkung bleiben und für die Baugeschichte der Bibliotheken spurlos untergehen." So sind insgesamt mehr fürstliche Bibliotheksräume verschwunden als erhalten geblieben. Dies gilt noch mehr für den Bücherbestand.

Die schönste fürstliche Privatbibliotheken stellt wohl diejenige in Sanssouci in Potsdam dar. Erwähnenswert ist aber auch diejenige im kurfürstlichen Schloss zu Mannheim (zerstört) (Baur 179, ganze Seite rechtsbündig) oder das Bibliothekszimmer Ludwig XVI. in Versailles.

Auffallend ist, dass viele der im 19. und 20. Jh. wichtigen Sammlungen, die zu National- oder Landesbibliotheken werden sollten, wie diejenigen in Paris, Wien, Berlin, London, aber auch diejenigen von Dresden, Hannover oder Kassel (Kurfürstentümer) bis ins 18. oder 19. Jh. unzureichend untergebracht waren. Man begnügte sich bestensfalls mit einem dafür notdürftig hergerichteten Palais oder Gebäudeflügel. Der "Bauwille blieb hinter dem Sammelwillen" weit zurück. (Milkau 21)

Hier zum Schluss noch ein kurzer Exkurs über das Gebäude der Hofbibliothek Wien, dem 2. selbständigen Bibliotheksbau in der Neuzeit, der bis heute zu den prächtigsten unter den Grossbibliotheken gehört. Streng genommen müsste ich ihn nach der Bibliothek von Wolfenbüttel behandeln, die mir aber zur Überleitung ins 19. Jh. dienen wird.

Innerhalb des Bauprogramms von Kaiser Karl VI. (Regierungszeit von 1711-1740) bildete die Hofbibliothek (auch kaiserliche Bibliothek; heute Nationalbibliothek) das zweite Werk nach der Karl-Boromäus-Kirche. Sowohl ideologisch wie architektonisch gibt es Verbindendes zwischen diesen zwei Bauten.

Ideologisch, indem Karl hier der habsburgischen Pflicht der Regierung "in der Ehre Gottes und im Wohl der Untertanen" nachgekommen ist, also der Beförderung von deren geistlicher und leiblicher Wohlfahrt, architektonisch, indem die beiden Bauten "in ihrer Baugestalt mit dem gemeinsamen als Sakralform deutbaren Element des zentralen Kuppelraums Pendants" bilden. Zudem wird in den schriftlich erhalten gebliebenen Konzepten für die Innenausgestaltung der Bibliothek mehrmals der Ausdruck "Tempel" verwendet. (Matsche 203)

Bei der Aussenansicht des Baus von Fischer von Erlach dem Älteren aus den Jahren 1722-1726, fällt auf, dass man dem zentralen Bibliotheksgebäude durch die spätere Aufstockung und Anbindung der Seitenflügel viel von seiner eigentlichen Dominanz genommen hat. (Auch die Fassadengestaltung wurde zurückgenommen.) (Baur 153, 206 oben)

Das Innere erweist sich als eine Folge von 5 Räumen, das dominiert wird durch das Queroval, den Kuppelsaal in der der Mitte. (Baur 155 unten) - Eine Anordnung, die völlig neu war. Die Ausgestaltung nur noch im Überblick: Im Zentrum des Ovals steht die Statue des Auftraggebers (auf Folie nicht ersichtlich), darum herum Idealbilder von seinen Vorfahren. Im Deckenfresko befindet sich eine Apotheose Karls VI. Sein Bild ist umgeben von Symbolen seiner Tugenden in Krieg und Frieden, von Künsten, Wissenschaften, Göttern und Genies.

Die übrige Ausgestaltung erinnert stark an die schon vorgestellten Barockbibliotheken. Allerdings sind hier angesichts der Grösse des Gebäudes und namentlich des Kuppelsaals die Säulen massiver und dominierender.

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