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Universitätsbibliothek Bern

Titelbild

Neue Funktionalität im 20. Jahrhundert

Allgemeiner Überblick (vgl. auch Fuhlrott, 1981 und 1983)

Das 20. Jh. möchte ich ähnlich wie das 19. abhandeln und zuerst einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten Trends geben und anschliessend einige Beispiele konkreter zeigen. Dabei darf natürlich die vieldiskutierte und umstrittene neue Bibliothèque de France nicht fehlen, obwohl zu bemerken wäre, dass zurzeit auch England und Deutschland grosse neue Nationalbibliotheken bauen und Dänemark die ihre in grossem Stil erweitert. - Obwohl die Führung im Bibiotheksbau im 20. Jh. an die USA übergeht, halte ich mich bei den Beispielen an Europa, aus dem einfachen Grunde, weil Sie Bibliotheken eher selber ansehen können oder evtl. schon gesehen haben.

Wie immer zuerst die Hauptlinien, die mir wichtig erscheinen:

  • Das Magazin wird in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts zum beherrschenden Element im Bibliotheksbau, das man nun auch nach aussen zeigt. Damit verbunden ist ein 2. Charakteristikum:
  • Die Architekten sind immer wieder fasziniert von der Idee der Turmbauten. Sie wird mehrmals an Bibliotheken ausprobiert, ohne dass sie sich allerdings wirklich durchsetzen könnte.
  • Die Trennung von Buch und Leser, die im 19. Jh. einsetzt, beginnt sich zugunsten des freien Zugangs wieder aufzulösen, wobei die USA, die angelsächsischen Länder und die in bezug auf das Bibliothekswesen ihnen nahestehenden skandinavischen Bibliotheken dabei vorangehen. Dieses Konzept kommt bei uns zuerst bei den allgemeinen öffentlichen Bibliotheken zum Zug.
  • Und dieser Trend wirkt sich wiedeum auf das nächste Charakteristikum aus: Der Lesesaal als möglichst eindrückliche Halle wird aufgehoben.
  • Schliesslich ist noch die Benutzerfreundlichkeit zu erwähnen, die mindestens bei den amerikanischen Bibliotheken zu einem ganz wichtigen Kritierium wird.

Beginnen wir mit dem ersten Punkt, dem Magazin:
Dass man das Magazin ungeniert zeigt, brauche ich nicht besonders zu belegen; sie kennen das von einer Vielzahl von Bibliotheken. Eine Folie zeigt Ihnen das Beispiel der Biblioteca Cantonale von Lugano von 1941, wo gleichzeitig deutlich wird, dass man auch mit einem solch wenig attraktiven Gebäudeteil architektonische Akzente setzen kann.

1931 entstand an der Yale University dieser markante Magazin-turm und 5 Jahre später derjenige von Cambridge in England. Lange Zeit galt der Turm der Universitätsbibliothek von Massachusetts mit 28 Stockwerken als das spektakulärste entsprechende Objekt.

In Europa fand diese Idee nachher kaum mehr Anwendung (1931 in der Stadtbibliothek Hannover, wo sämtliche Funktionen in einem Turm untergebracht waren, und 1967 in der Universitätsbibliothek Karlsruhe - 14stöckig).

Wieder aufgenommen wurde das Thema erst Ende der 80er Jahre beim automatisierten Magazin der Stadtbiliothek Bordeaux und natürlich bei der Bibliothèque de France

Damit kommen wir zu den nächsten beiden Charakteristika, dem neuen Zugang zum Buch für die Benutzerinnen und Benutzer sowie die Aufhebung des Lesesaals.

Unter den Stichworten "open plan" und "open access" verlegte man einerseits das Hauptgeschoss der Bibliothek ins Erdgeschoss, versteckte Ausleihe, Kataloge und Lesesaal nicht mehr hinter einer möglichst einschüchternden Eingangs- und Treppenhalle als Aufgang zu einem Prunksaal, ja man machte die Bücherbestände z.T. von aussen sichtbar. Zum andern führte man die freie Zugänglichkeit zur Literatur wieder ein, öffnete die Magazine bei Altbauten und gestaltete Neubauten konsequent nach diesem Prinzip. (Dahinter steht natürlich nicht zuletzt das Bildungsverständnis der Amerikaner, gewissermassen das Recht auf freien Zugang zur Information, das sich z.Z. ja auch stark bei der Offenlegung von Informationen im Internet ausdrückt.)

Wer zu der thematisch geordneten Literatur gelangen kann, möchte vielleicht auch gleich in dieser Umgebung schmökern oder gar arbeiten, ohne die gefundene Literatur in einen zentralen Lesesaal schleppen zu müssen. Damit lebten in der angelsächsischen Welt die nie ganz verschwundenen Carrels wieder auf, die auf das "stall system" zurückgehen, also abgeschirmte Arbeitsplätze zwischen den Gestellen darstellen (Princeton). Von da an war es nur noch ein kleiner Schritt, Bibliotheken gar nicht mehr getrennt nach Leserräumen und Magazinen zu planen, sondern diese nach einem flexiblen, modularen System zu bauen, bei dem der Grundriss ein einheitliches Raster hat, das verschieden genutzt werden konnte und in dem Literatur und Nutzer nebeneinander existieren (Boston). - Allein schon wegen der grossen Zahl von Studierenden war die Aufhebung des zentralen Lesesaals eine Notwendigkeit. Z.T. hat man sich mit einer Aneinanderreihung von entsprechenden Grossräumen noch zu helfen gesucht, so in Bern oder in Regensburg.

Und schliesslich zum letzten eingangs erwähnten Punkt, der auch unter dem Stichwort "the best reading" behandelt wird. Ich zitiere dabei einen deutschen Autor, der den Unterschied angesichts der eher starren deutschen Verhältnisse am besten deutlich machen kann: "Nicht das strenge wissenschafltiche Studium auf spartanischen Möbeln, wie es deutsche Haushaltsvorschriften zu fordern scheint, war das Ideal der Verantwortlichen in den USA, sondern die Vorstellung, dass der, der angestrengt und konzentriert arbeitet, dies wenigstens in bequemer Haltung und in angenehmer, ja wohnlicher Atmosphäre tun solle. - Allein dieser Gedanke hat eine enorme Auswirkung auf das Aussehen amerikanischer Bibliotheken gehabt. Nicht nur, dass gesonderte Räume zum Rauchen, Essen und Trinken und Entspannung (lounge areas) eingeplant wurden, sondern die gesamte Einrichtung folgte diesem Gedanken durch bequeme Stühle, Clubsessel, ja sogar Sofas, Liegen und Kissen..." (Fuhlrott 23)

Ein Nachtrag noch zur Freihandidee:
Heute ist eigentlich nur die Menge der im Freihandsystem angebotenen Literatur umstritten. In den USA hat man bis vor kurzem daran festgehalten, dass dies für den gesamten Bestand (mit Ausnahme natürlich der Rara) gelten soll. (Interessanterweise tat die verhältnismässig junge UB Konstanz hartnäckig dasselbe.) Bei einem Besuch in Amerika im letzten Jahr konnte ich feststellen, dass ein Umdenken stattfindet, indem v.a. grosse Sammlungen dabei sind, kompakte Magazine für wenig gebrauchte Literatur zu schaffen.

In England wurde vorübergehend die Meinung vertreten, dass Bibliotheken nicht mehr wachsen sollten. Entsprechend der Zahl aufgenommer Werke sollte in gleichem Umfang Literatur an ein zentrales Speichermagazin abgegeben werden.

(Als Sonderfall wird in Deutschland noch bis heute die Frage diskutiert, ob man die Literatur denn systematisch oder nach numerus currens entsprechend dem Zugang anbieten soll.)

Einzelbeispiele im 20. Jahrhundert

Schweizerische Landesbibliothek (1931)
Das Gebäude der SLB galt mit seiner klaren Gliederung lange Zeit als vorbildlicher Bau und wurde noch bis in die siebziger Jahre als solcher in Lexika abgebildet. (Grundriss Thompson 93/94 zusammenkopieren) Es sind gleichsam drei Schienen hintereinandergelegt, die dem Personal, dem Publikum und der Buchspeicherung dienen.

Nach einem Architekturwettbewerb 1927 wurden die drei erstprämierten Architekten (Oeschger, Kaufmann und Hostettler) mit der Realisierung beauftragt. Die Bibliothek wurde 1931 eröffnet. - Ursprünglich sollte das Gebäude in einem ähnlich historisierenden Stil gebaut werden wie das danebenliegenden Gymnasium, das nur wenige Jahre vorher fertiggestellt wurde! (Zudem steht daneben auch noch das Bernische historische Museum mit seinem Schloss- oder Burgcharakter.) Man hat dann auf eine solche Auflage verzichtet und einen modernen Betonbau errichtet, der stark vom "Neuen Bauen" beeinflusst ist.

Nach der Durchschreitung des Verwaltungstrakts kommen die Benutzer in einen eingeschossigen, von oben belichteten Benutzertrakt mit der zentralen Buchausleihe und dem danebenliegenden Katalog- und dem Lesesaal. - Diesem vorgelagert ist noch eine Leseterrasse, die aber nicht benutzt wird. - Dank Glaswänden ist dieser mittlere Bereich gut überschaubar und gibt den Eindruck eines langen offenen Raumes. Die Sondersammlungen sind v.a. im rechten Flügel untergebracht. Das im Grundriss erstaunlich schmale Magazin umfasst 8 Stockwerke. (Ein neues Tiefmagazin entsteht gegenwärtig am rechten oberen Rand.) Durch die Einbettung zwischen diese zwei höher gezogenen Trakte ist der Lesesaal von Lärmeinwirkungen einerseits von der Stadt, andrerseits vom nahen Gymnasium geschützt. (Thompson 91-94)

Zentralbibliothek Luzern
Wie lange Leopoldo della Santa mit seiner dreigegliederten Bibliothek nachwirkt, zeigt auch das nächste und letzte hier dargestellte Beispiel einer konventionell gebauten Bibliothek, die Zentralbibliothek Luzern, erbaut 1949-51 durch Otto Dreyer, Luzern (Thompson 197 - Schnitt u. Grundriss). Dieser Bau besticht v.a. durch seine kompakte Einfachheit, die sich dadurch ausdrückt, dass auf Korridore fast ganz verzichtet werden konnte. Der Grundriss erinnert schon fast an einen klösterlichen Kreuzgang.

Wenn übrigens hier erneut ein Lesegarten aufgetaucht ist, so soll das ja nicht den Eindruck erwecken, als ob das ein allgemein übliches Element bei Bibliotheksbauten wäre - es handelt sich um eine ausgesprochene Ausnahme. - Freilich ist das Gebäude, das Raum für knapp 100 Leser bietet, in bezug auf den Raum für die Mitarbeiter (ursprünglich 8) und die Bestände (konzipiert für 500'000 Einheiten) längst zu klein.

Bibliothèque Cantonale et Universitaire de Lausanne
(Grundriss, evtl. Schnitt) "La banane" nennen die Studenten das "Bâtiment central" auf dem Universitäts-Campus von Lausanne-Dorigny, in dem seit 1982 die zentrale Bibliothek untergebracht ist. Das Gebäude drückt seinen gekrümmten Rücken in den Hügel von Dorigny - es ist in den Hang eingelassen. Von der terrassierten Südfront aus ist der Blick ins Grüne und auf den Genfersee weit offen.

Die Campus-Bauten, die zwischen 1970 und 1991 fertiggestellt wurden, stammen von verschiedenen Architekten, die jedoch bestimmte Grundsätze erfüllen mussten, so z.B. eine soweit als möglich natürliche Beleuchtung und Lüftung. Das Bâtiment central (Architekten: Guido Cocchi, Nicolas Mercier, Olivier Reymondin, Jean Serex) bildet die Angel zwischen dem westlichen Campus, wo die exakten Wissenschaften untergebracht sind, und dem östlichen Campusteil mit den Geisteswissenschaften. Es liegt leicht erhöht und beherbergt neben der Bibliothek auch Mensa, Brasserie und Caféteria. Die Bibliothek ist somit an topographisch und sozialstrategisch zentraler Lage untergebracht. Die Idee des Begegnungszentrums wird von der Bibliotheksstruktur aufgenommen. Auf drei Stockwerken sind rund 300'000 Bände - nach Themen geordnet aufgestellt - frei zugänglich; die Bibliothek bietet annähernd 1'000 Arbeitsplätze, die grösstenteils den Fensterfronten entlang angesiedelt sind, und sogar Raucherzimmer. Geschlossene Buchmagazine (500'000 Bände) sind unterirdisch untergebracht. Publikumsteil und Verwaltungstrakt bleiben aber auch hier voneinander getrennt.
(Bilder)

Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz Berlin
Wenn eine Bibliothek in einem Spielfilm nicht nur als Dekor erscheint, so muss etwas Besonderes an ihr sein. Tatsächlich verweilen in Wim Wenders Film "Der Himmel über Berlin" die Engel in der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz in Berlin besonders lange. Er wurde geplant von Hans Scharoun und 1978 fertiggestellt. Es handelt sich um eine der beiden Nachfolgebibliotheken der ehemaligen Königlich preussischen Bibliothek in Berlin. Sie sollte 4 Mio. Bände und 600 Angestellte aufnehmen. Im Schnitt werden 2300 Lesesaalbenutzer gezählt. (Das sind etwas andere Dimensionen als bei den obigen Beispielen, doch immer noch beschränkte, wenn man sie mit dem Neubau der British Library vergleicht, der 2500 Mitarbeiter und 25 Mio. Bücher fasst.) (Poll/Haller 103, Fuhlrott 26)

Bemerkenswert sind aus meiner Sicht zwei Dinge:
1. die Grundkonzeption, die sich in Form von Bändern auf den Betriebsablauf ausrichtet (Fuhlrott 43; Vesper172, 152). Im sog. Verwaltungsband sind die Abteilungen Poststelle, Erwerbung, Katalogisierung, Einbandstelle angeordnet, von wo aus dann die Bücher in die darüberliegenden Magazingeschosse (6. bis 9. Geschoss) oder ins Untergeschoss verfrachtet werden.

Im Lesesaalband befinden sich die Räume für die Benutzerinnen und Benutzer und dazwischen liegt das Verkehrsband.

(Diese Bandidee soll darüber hinaus auch das Verbindende zwischen Ost und West des damals noch getrennten Deutschlands darstellen, zumal der Bau in dieser Ausrichtung liegt. Unglücklicherweise liegt er aber nach der Wiedervereinigung Berlins buchstäblich quer in der Landschaft und stellt ein städtebauliches Hindernis dar (Poll/Haller 98). - Beeinflusst soll der Bau auch vom Schiffsbau sein - Scharoun stammt aus Bremerhaven.

2. Die Lesesaallandschaft auf Plattformen oder eher Decks auf drei Etagen (Poll/Haller 105), die einen überwältigenden Eindruck hinterlassen.

Sehr viel Raum ist auch der Begegnung gewidmet, indem Lese- und Aufenthaltsbereiche im Charakter einer Hotelhalle zum Verweilen einladen. Hier haben amerikanische Vorbilder offensichtlich gewirkt.

Kritisch zu diesem Bau darf man allerdings auch bemerken, dass hier nochmals die klassische Dreiteilung Benutzer - Bibliothekar - Buch auflebt und ein verhältnismässig kleiner Teil der Literatur (200'000 Werke) frei zugänglich ist. Die Buchbeschaffung geschieht mittels einer effizienten Förderanlage.

Dazu hat man - wie bei so vielen Bibliotheksneubauten - bei der Planung den Geräuschpegel nicht berücksichtigt, der in einer solch offenen Landschaft entsteht. - Auf die unbefriedigenden Klimatisierungs-verhältnisse kann ich hier nicht eingehen.

Zum Preis dieses Baus gehören auch lange Wege - so gibt es einen 185m langen fensterlosen Korridor - und der Widerspruch zwischen dem fast verschwenderischen Raumprogramm für die Benutzer und äusserster Beengtheit für die Mitarbeiter. "Viel Raum, aber wenig Platz" wurde schon kommentiert. (Poll/Haller 93, 102)

Durch die Halbierung des Magazins von 8 auf 4 Mio. Bücher stand von Anfang an schon ein Zusatzbedarf an Lagerraum fest. 2 Jahre nach der Fertigstellung machte man bereits wieder entsprechende Planungen.

Bibliothèque de France, Paris
Dieses Bauwerk ist wohl das am meisten diskutierte unter den Bibliotheken der 2. Hälfte des 20. Jhs., was vorab einige vordergründige Ursachen hat:

  • Es ist der Wurf eines Architekten (Dominique Perrault) (Perrrault 73), dessen gestalterischen Visionen sich die bibliothekarischen Bedürfnisse unterzuordnen hatten.
  • Der Architekt wirkt auch bei Details mit und bestimmt z.B. das Mobiliar.
  • Der Bau nimmt die Turmidee wieder auf.
  • Es war ein politisches Projekt, indem es das letzte grosse Bauwerk aus der Ära Mitterrand und seinen sog. grand travaux darstellt und phasenweise Streitobjekt zwischen ihm und dem damaligen Pariser Stadtpräsidenten Chirac war.
  • Die Bibliothek wurde am 30, März 1996 eingeweiht, also kurz vor Amtsende und Tod von Mitterrand, ist aber bis heute nicht in Betrieb und dürfte es erst wirklich 1997 sein.
  • Zahlreiche Konzeptänderungen der Planer selber haben die Diskussionen immer wieder neu angefacht. (Was sich nicht zuletzt in den Namenswechseln ausdrückte.)

Grundsätzlich stellt sich der Bau dar wie ein umgekehrter Tisch und besteht aus 2 Hauptelementen, der Grundfläche, welche hauptsächlich die Benutzerdienste und die Leseräume enthält, und den vier Türmen, in denen in den unteren Stockwerken Personal und in den oberen die Medien untergebracht sind.

Zielsetzung des Baus war, die viel zu engen Räumlichkeiten der Bibliothèque Nationale an der Rue Richelieu zu ersetzen und der Forschergemeinschaft ausreichenden Platz zur Verfügung zu stellen (gut 2000 Leseplätze im Erdgeschoss). (Perrault 181*)

Darüber hinaus sollten ein Teil der (ergänzten) Sammlungen aber auch dem allgemeinen Publikum offenstehen (gut 1500 Leseplätze im 1. Obergeschoss) und 400'000 Werke im Freihandsystem angeboten werden.

Die Bibliothek muss künftig auch audiovisuelles Material vermehrt sammeln.

Und dies alles soll durch neue Technologien, namentlich scanning von Standard-Texten unterstützt werden, die am Bildschirm abgerufen werden können (etwa 100'000 Werke sollen so fürs erste greifbar sein).

Das Bauwerk ist zweifellos bereits heute ein neues Wahrzeichen von Paris. Aus bibliothekarischer Sicht gibt es aber doch einiges zu bedenken:

Die Aufteilung in eine Grundfläche und vier Türme bedeutet lange Wege! Alle andern grossen Bibliotheksbauten der neueren Zeit sind einen anderen Weg gegangen und suchten möglichst Kompaktheit (LoC 2. Erweiterung). In Paris hat man mit den offengestellten Turmflügeln, die auch als vier offenstehende Bücher interpretiert werden können, das Gegenteil gemacht und fast ein Maximum an Aussenflächen geschaffen. - Mit dem entsprechenden Energieaufwand, um das nötige Buch- oder Arbeitsklima herzustellen.

Die Bücher sind nicht unterirdisch kompakt gelagert, sondern ein schöner Teil in den Turmspitzen, wo man auf Anhieb doch eher die Benutzer sehen möchte.

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