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Universitätsbibliothek Bern

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Erste selbständige Bibliotheksbauten und Übergang ins 19. Jahrhundert

6 Elemente erscheinen mir für den Übergang ins 19. Jh. wichtig:

  1. selbständige Bauten
  2. Rundbauten
  3. erstmals ist im Bibliotheksbau überhaupt eine ausgeprägte innere Gliederung nach Funktionen festzustellen
  4. Das Magazin wird zum mächtigsten Element des Bibliotheksgebäudes
  5. Bibliotheksbau ist nun fast ausschliesslich profanes Bauen
  6. Einsatz von neuen Materialien wie Gusseisen und Stahl

Dabei treffen wir die beiden ersten Elemente bereits im 18. Jh. an, sie sind dort aber noch nicht allgemein charakteristisch.

1. zum selbständigen Bibliotheksbau
1706-1711 entstand zum ersten Mal seit der Antike im deutschen Städtchen Wolfenbüttel ein Bau, dessen ausschliessliches Ziel es war, Bibliothek zu sein. (Milkau 22). Bauherr war der Herzog von Braunschweig-Lüneburg, dessen Dynastie eine grosse bibliophile Tradition aufweist.

Ich halte dieses Ereignis für eine wichtige Zäsur in der Bibliotheksgeschichte:

  • geistesgeschichtlich bedeutet sie, dass die Bibliothek im Abendland allmählich aus dem Schatten von Kirche und Fürsten, von Religion und absolutistischer Macht - ja sogar von den Universitäten tritt; sie hat nun genug Eigengewicht, wird ihr eigener Musentempel.
  • architekturgeschichtlich heisst das, dass der Bibliotheksbau zu einem selbständigen Zweig des Entwerfens und Bauens wird. Phasenweise (z.B. um 1880, 1900-14, 1950-70) kommt es nun zu einem richtigen "Bibliotheksbau-Boom".

Man kann einwenden, dass bereits zuvor etwa Mazarin (1642-47) einen Gebäudeflügel für seine Bibliothek einrichten liess oder dass die Einrichtungen für das British Museum in der Mitte des 18. Jhs. immerhin sechs Jahre gedauert hatten - dennoch: Wer eine Bibliothek um ihrer selber unabhängig errichtet, setzt ein neues Zeichen.

Zweites Beispiel eines selbständigen Bibliotheksbaus ist dann die Hofblibliothek in Wien, die ebenfalls in ihrem Kuppelsaal die Rundform, wenn auch als Oval übernahm.

2. In einem weiteren Sinne weist der Bau von Wolfenbüttel über sich hinaus: Mit der Realisierung einer Rotunde wurde ein Vorbild geschaffen, das vielfach übernommen wurde, so in der Radcliffe Camera in Oxford, der British Library in London (damals noch Library of the British Museum), der Bibliothèque Nationale in Paris, der Parlamentsbibliothek in Ottawa, der Library of Congress in Washington, um nur die berühmtesten zu nennen.

Leider hielt der Fachwerkbau (sic!) in Wolfenbüttel der Zeit nicht Stand; es sollen sich Risse gebildet haben, die so bedrohlich wurden, dass man dieses einzigartige Architekturzeugnis 1880 abriss.

Nach dem Umzug der Herzöge von Wolfenbüttel nach Braunschweig dämmerte die Bibliothek im heute noch bestehenden Nachfolgegebäude vor sich hin, geriet abseits des Forschungsbetriebs, obschon sie eine sehr bedeutende Sammlung für Literatur des 17. und 18. Jhs. enthielt. Dazu geriet sie durch die nahegelegene Zonengrenze auch noch ins geographische Abseits und wurde erst in den letzten 3 Jahrzehnten wieder zu einer wichtigen Forschungsstätte.

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