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Universitätsbibliothek Bern

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Die bibliotheksgeschichtliche Literatur verharrt leider immer noch auf dem Niveau von Ereignis- oder Institutionengeschichte und gibt wenig Auskünfte über bildungspolitische Hintergründe oder über strukturelle Probleme: Die eingangs aufgeworfenen Fragen sind deshalb nicht einfach zu beantworten.

Ausstattung, Personal und Bestände waren im 19. Jh. und darüber hinaus auch Objekte von Rivalitäten v.a. zwischen den grösseren Nationen.

Nationalbibliotheken profitierten von ihrer "Nähe zur Macht" und überstanden Krisen und Verluste im allgemeinen besser als die anderen Bibliothekstypen.

Die Nationalbibliothek ist ein wichtiges kulturelles Element bei der Ausbildung von Nationalstaaten; Gründungen oder Reorganisationen von bestehenden Institutionen im Sinne von Nationalbibliotheken ziehen sich durch das ganze 19. Jahrhundert hindurch:

  • 1791 Umbenennung in Paris
  • 1796 Lissabon
  • 1798 Den Haag
  • 1800 (im Ansatz) Schweiz
  • 1800 Washington
  • 1810 Buenos Aires
  • 1810 Rio de Janeiro
  • 1811 Oslo
  • 1813 Santiago
  • 1814 Petersburg
  • 1818 Reykjavik
  • 1837 Brüssel
  • 1837 London
  • 1842 Athen
  • 1848 (vorübergehend) Frankfurt a.M.
  • 1895 Bern

(Vgl. Deutsche Bibliothek 1980, S. 17)

Das Sammeln, Verzeichnen und Archivieren der nationalen Literatur war jedoch nur die Hauptaufgabe der Nationalbibliotheken. In den meisten Fällen kam eine ganze Reihe von weiteren Dienstleistungen dazu, so namentlich die regelmässige Veröffentlichung einer Nationalbibliographie.

a) Vor allem in alten Monarchien konnten sich die Nationalbibliotheken auf bestehende monarchische Institutionen abstützen, die sich - wie wir schon am Beispiel der Barockbibliotheken gesehen haben - vom persönlichen Besitz eines Monarchen (Schlossbibliothek) übe??à??r eine halböffentliche Verwaltungs- und Forschungsbibliothek zu einer allgemein zugänglichen Nationalbibliothek entwickelten.

In einigen Ländern mit einer bundesstaatlichen Tradition (Deutschland, Italien, Schweiz) war die Nationalbibliothek nicht unbestritten, und es mussten Kompromisse eingegangen werden (z.B. beschränkte Sammeltätigkeit oder Verteilung der Aufgaben auf mehrere Institutionen).

b) Langfristig spielte es keine Rolle, ob eine Nationalbibliothek erst im 19. Jh. gegründet wurde oder eine längere Tradition aufwies. So entwickelte sich die Library of Congress als vergleichsweise junge Einrichtung zur Institution mit dem umfassendsten Sammelauftrag.

c) Nationalbibliotheken erhalten öffentlichen Charakter meist in der ersten Hälfte des 19. Jh.

d) Ob eine Nationalbibliothek sich auf das Sammeln der nationalen Buch- und Medienproduktion beschränkt oder eine Universalbibliothek unter Berücksichtigung der weltweit erscheinenden wichtigen Erzeugnisse sein will, ist keiner bestimmten Regelung unterworfen. Tendenziell beschränkten sich kleinere Länder und Bundesstaaten eher auf die erste Aufgabe.

e) Benennung, Zahl oder Grad der Öffentlichkeit einer Nationalbibliotheken reflektieren oft in einem erstaunlichen Ausmasse die allgemeine Geschichte und die politische Struktur eines Landes (Bsp. Deutschland).

Vereinzelt, vor allem in kleineren Ländern wie z.B. in Finnland oder Dänemark, hat die Nationalbibliothek zusätzlich die Funktion einer Universitätsbibliothek in der Hauptstadt.

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