Universitätsbibliothek Bern |

(vgl. auch: Harris 212-218; evtl. schon hier: McCabe 1ff; Renoult 17-41; Handbuch 3,1, 782-808Frankreich!; Köttelwesch 99-149; Schmitz 178-185; Buzás 30-52; Busse; Neugründung)
Wenigstens skizzenhaft möchte ich noch die Entwicklung im 20. Jh. nachzeichnen, wobei ich das Schwergewicht auf die interessantere Nachkriegszeit lege.
Dem kräftigen Aufschwung bis zum 1. Weltkrieg folgte bis zur Mitte des 20. Jhs. eher eine Phase der Stagnation, in der die Benutzung zwar stieg, die finanzielle Ausstattung aber nicht mit der Entwicklung mithalten konnte. In der Zwischenkriegszeit wurden v.a. die deutschen Bibliotheken angesichts der geringen Kaufkraft in der Inflationszeit in ihrem Bestandesaufbau schwer behindert.
Weitere Lücken entstanden durch den Krieg. Für das Territorium des ehemaligen Deutschen Reiches ist geschätzt worden, dass ein Drittel des gesamten Buchbestandes zerstört wurde. Die Bibliothek der traditionsreichen Universität Löwen in Belgien - um ein zweites Beispiel zu nennen - brannte sowohl im 1. wie im 2. Weltkrieg aus.
In der Nachkriegszeit sahen sich die Universitätsbibliotheken mit zwei grossen Herausforderungen konfrontiert: ibliotheken beauftragt wurden, zusätzlich zu ihrer normalen Beschaffungspolitik die Literatur zu einem bestimmten Fach möglichst vollständig zu sammeln.
ad 2:
Ein neues Element von wachsender Bedeutung waren die Spezialbibliotheken und Dokumentationsstellen, die sich vertieft mit einem besonderen Wissensgebiet befassten und möglichst auch graue Literatur beschaffen sollten. Als Beispiele für die Schweiz wären etwa zu nennen: das Sozialarchiv (Zürich), das Wirtschaftsarchiv (Basel) oder die Schweizerische Osteuropabibliothek (Bern).
Daneben ging im 20. Jh. die Entwicklung der Institutsbibliotheken weiter. Es wurde nun auch in den Geisteswissenschaften zum Normalfall, dass sich die Lehrstühle um eine Seminarbibliothek gruppierten. In vielen Fällen verfügten diese zusammen über deutlich mehr Mittel als die zentrale Universitätsbibliothek. Mittel und Grösse der "eigenen" Institutsbibliothek wurde sogar zu einer Prestigefrage für die Professoren (v.a. bei Berufungen).
Einzig bei der Gründung von neuen Universitäten in der Bundesrepublik seit den 60er Jahren hat man z.T. bewusst auf dieses zweischichtige System verzichtet - das in Wirklichkeit oft drei- und mehrschichtig war - und eine zentrale Universitätsbibliothek geschaffen, die auch die Spezialliteratur sammelt und einen möglichst grossen Teil des Gesamtbestandes systematisch und offen zugänglich anbietet (Freihandsystem). Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die UB Konstanz. In anderen Fällen stehen die Bibliotheken beider Schichten unter einer einheitlichen Verwaltung und Anschaffungskompetenz.
In Bern hat man versucht, die Vielzahl von universitären Kleinbibliotheken wieder zu reduzieren. (Es sind immer noch ca. 50!) Es sind in den letzten 20 Jahren vermehrt Fachbereichsbibliotheken entstanden. Leider ist es trotz der Bereitschaft und dem Drängen der StUB vor 5 Jahren nicht gelungen, die Bestände der Institute, die ins Gebäude Unitobler kamen, unter eine kooperative Verwaltung zu stellen und die Bestände und die Betreuung zusammenzufassen.
Für die Studierenden war das Geflecht von autonomen Beständen mühsam; oft mussten sie von einer Bibliothek zur andern pilgern, um das gewünschte Buch zu finden.
Einzig ein Zentralkatalog aller Institutsbestände konnte eine teilweise Erleichterung bieten. Das System war zudem unrationell, weil es immer wieder zu Mehrfachanschaffungen kam.
Die Einführung der Bibliotheks-EDV, die von einem beliebigen Standort aus den Zugriff über den gesamten (wenigstens neueren) Bestand einer Universität ermöglicht, milderte seit den achtziger Jahren etwas die Nachteile der zweischichtigen Bibliothekssysteme.
Auch hier zum Schluss noch ein Blick auf Frankreich: Auch heute noch sind die französischen Universitätsbibliotheken (60 mit 3´300 Mitarbeitern) schlecht ausgestattet. Sie konnten mit der Entwicklung der Studentenzahlen in den 70er und 80er Jahren überhaupt nicht mithalten.
Nur fünf Universitätsbibliotheken in Frankreich haben mehr als 1 Mio. Bücher (Sorbonne, Ste. Geneviève, Bibl. interuniv. de médecine, Institut de France, Strasbourg.). Zwei Drittel haben sogar weniger als 200'000 Bücher! Durchschnittlich schafft eine französische Universitätsbibliothek pro Jahr nur 6000 Werke (vorwiegend französischer Provenienz) an (StUB Bern als mittlere schweizerische Unversitätsbibliothek ca. 25'000).
Pro Jahr ist die Zahl der Anschaffungen der französischen Universitätsbibliotheken (1989) fünf Mal geringer als in der (alten) BRD (2 Mio.) und es gibt drei Mal weniger laufende Zeitschriften - bei praktisch gleicher Studentenzahl.
Die Bibliotheken sind durchschnittlich auch nur 45-50 Stunden pro Woche geöffnet.
Die amerikanischen Universitätsbibliotheken
(s. auch Harris 172-182, 249-258)
Der Aufstieg der amerikanischen Universitätsbibliotheken in den letzten 150 Jahren ist in der Bibliotheksgeschichte beispiellos. Dabei waren die Anfänge ihrer Vorläuferinnen, der college libraries, mehr als bescheiden.
Erste college libraries werden im 17. Jh. gegründet. Wie in Europa, ja noch länger bis in die Mitte des 19. Jhs., waren die Sammlungen fast ausschliesslich auf Geschenke angewiesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte eine durchschnittliche college library weniger als 25'000 Bände, war pro Tag nur wenige Stunden geöffnet, besass fast ausschliesslich ältere Werke, Nachschlagewerke und Standardausgaben und war für Studierende wenig attraktiv. Betreut wurde sie von einem Dozenten im Nebenamt - meist ohne zusätzliche Entschädigung. (Harris 180f)
Die Studierenden wichen in vielen Fällen auf die Sammlungen der literary societies aus.
Nach dem Bürgerkrieg setzte das grosse Wachstum ein, das dazu führte, dass viele Bibliotheken ihren Bestand alle 20 Jahre verdoppelten. Nur ein Beispiel dazu: Yale University Libray besass 1876 rund 100'000 Bände; 1993 deren 10'000'000.
Folgende Faktoren wirkten bei diesem Prozess mit:
Zu erwähnen ist noch, dass die amerikanischen Universitätsbibliotheken in viel geringerem Masse als bei uns in der Schweiz auch einem weiteren Publikum dienen.