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Universitätsbibliothek Bern

Titelbild

Barock und Aufklärung

(vgl. auch Schmitz 98-100; Buzás 33-47; Histoire II 45-54; Handbuch 3,1, 702-706; Handbuch 3,2, Nr 424 Italien!)

Der Forschungsstand und die Literatur zur universitären Bibliotheksgeschichte für die Zeit zwischen 1550 und 1800 ist ausserordentlich dürftig. Dies liegt zu einem grossen Teil daran, dass schlicht wenig Rühmliches zu berichten ist.

Ein grosser Teil der französischen Universitäten, aber auch viele deutsche und italienische Hochschulen verharren lehrmässig bis in die Mitte des 18. Jh. in einer Stagnation. Als Reaktion darauf entstehen neben den Hochschulen wissenschaftliche Akademien, oft unterstützt durch die Landesfürsten. Bezeichnend für die Situation der Hochschulen ist auch die Tatsache, dass die bahnbrechenden naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in den meisten Ländern Europas ausserhalb der Universitäten erarbeitet werden.

Soweit ich sehe, gibt es nur eine wirklich grosse Ausnahme, die UB Göttingen, die in den meisten bibliothekarischen Bereichen ihrer Zeit weit voraus ist. Dabei handelt es sich um eine Neugründung aus dem Jahr 1737. Sie besitzt 1765 bereits 60'000 Bände und 1812 deren 200'000, was für die damalige Zeit an einer Universität eine unerhörte Zahl ist - etwa fast das Siebenfache der Sorbonne. Dahinter stand ein einzigartiger Mittelzufluss: Die Dotation von 3000 bis 4000 Talern übertraf alle andern deutschen Universitätsbibliotheken um das Zehnfache.

Bereits 1755 verfügt sie über einen systematischen Katalog. (Zum Vergleich: In der StUB Bern erarbeitet man einen solchen erst in den 30er Jahren des 20. Jhs.!)

Allerdings führte man lange Zeit keine Individualsignaturen, wie dies zu diesem Zeitpunkt doch allgemein üblich war. Man hat Göttingen schon als erste wissenschaftliche Gebrauchsbibliothek bezeichnet. Sie sollte nicht mehr musealen Charakter haben, d.h. v.a. seltene und kostbare Werke anschaffen, wie dies zu diesem Zeitpunkt selbst an Universitätsbibliotheken üblich war, sondern Dienstleistungen bieten und ein Instrument der aktuellen Foschung sein. Hier waren denn auch die Professoren nicht auf ihre privaten Sammlungen angewiesen. Noch wenig befriedigend waren die Öffnungszeiten von 10 Wochenstunden mindestens für die Studierenden. (Buzás 1976, 44f; Schmitz 98f; Jochum 112)

Grundsätzlich darf man immerhin sagen, dass die Anschaffungen nun allgemeiner, regelmässiger und gezielter getätigt wurden als in der oben besprochenen Periode. Welche Bedeutung dem einzelnen Buch aber immer noch zukommt, zeigt die Anschaffungskompetenz: Sie steht nicht etwa dem Bibliothekar zu, sondern dessen Aufsichtskommission oder anderen Universitätsgremien. Ja, in Göttingen durften zwar die Professoren und der Bibliotheksleiter Vorschläge machen, es war aber der Staatsminister Münchhausen selber, der die Entscheide fällte. (Histoire II, 52; Jochum 111)

Dieses Verhältnis kommt sehr schön zum Ausdruck im Bild von 1696, das Hans Dünz zugeschrieben wird und das in der Burgerbibliothek Bern hängt :

Die französischen Universitätsbibliotheken verzeichnen wenigstens im 18. Jh. wieder einen leichten Aufschwung. Caen - um nochmals dieses Beispiel aufzunehmen - kann seine Bestände von 11 im Jahre 1701 auf 13'000 im Jahre 1786 steigern, dies dank regelmässigen Einnahmen. Aber auch weil sie auf vermehrtes öffentliches Interesse stossen. Sie geht einher mit einer teilweisen Öffnung für das breitere Publikum. So haben in Caen donnerstags nur Mitglieder der Universität Zutritt, während sie dienstags und freitags auch anderen Interessenten offensteht. (Histoire II, 47) Interessant wäre natürlich zu sehen, was Ursache und was Wirkung ist, doch macht die Literatur darüber keine Angaben.

Die grössten französischen Unversitätsbibliotheken erreichen vor der Revolution folgende Bestandeszahlen: 30'000 (Sorbonne), 25'000 (Douai), 20'000 (Université de Paris) (plus weitere 15'000 in deren medizinischer Fakultät). (Histoire II, 48)

Kataloge sind bei diesen Bestandesgrössen unumgänglich, auch wenn der Bestand normalerweise im Freihandsystem thematisch einigermassen geordnet ist, wofür man die einzelnen Wissenschaftsdisziplinen einem Buchstaben oder einer Buchstabengruppe zuordnete. (F Stiftsbibliothek St. Gallen)

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