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Universitätsbibliothek Bern

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Ich komme zurück auf die eingangs gestellten Fragen.

Was die Struktur des universitären Bibliothekswesens anbetrifft, so finden wir seit ihren Anfängen dezentrale wie zentrale Modelle. Ausgangspunkt sind meist dezentrale kleinere Sammlungen. Es gibt im Mittelalter keine einheitliche Lösung; und das bekannteste Beispiel in dieser Zeit, die Bibliothek der Sorbonne, ist mit ihrer Grösse und ihrer zentralen Funktion eher die Ausnahme.

Im späten 19. und während des ganzen 20. Jhs. kommt es dann zu einem Dualismus zwischen Instituts- und zentraler Universitätsbibliothek.

Die amerikanischen Universitätsbibliotheken sind als einzige relativ konsequent den zentralistischen Weg gegangen; die Mangelsituation, welche das höhere Ausbildungswesen in den USA bis ins 19. Jh. geprägt hatte, dürfte dabei massgebend gewesen sein - vielleicht aber auch der Umstand, dass amerikanische Universitäten stärker betriebswirtschaftlich geführt werden und man sich teure Doppelspurigkeiten bei der Literaturversorgung ersparen wollte. Und nicht zuletzt öffneten die amerikanischen wissenschaftlichen Bibliotheken früher ihre Magazine zur Freihandbenutzung.

Vergleich mit anderen Bibliothekstypen:

Die universitären Büchersammlungen sind im Spätmittelalter im Vergleich zu den kirchlichen Beständen eine kleine Gruppe. In bezug auf ihren Umfang wachsen sie mindestens bis zur Zeit des Buchdrucks nicht über die geistlichen Sammlungen hinaus.- Immerhin erfüllen sie eine wichtige Funktion beim Übergang des Bildungswesens von der Kirche auf die Universitäten.

Das Zeitalter der Reformation führt namentlich in Ländern mit rivalisierenden Konfessionen zu einer beträchtlichen Vermehrung der Universitäten. (Im Deutschen Reich gab es - inkl. Basel - am Ende des Mittelalters nur deren 13.).

Es gelingt den Universitätsbibliotheken aber nicht, ihre im Vergleich zum bislang vorherrschenden Bibliothekstyp, den Klosterbibliotheken, im Spätmittelalter verbesserte Situation so auszubauen, dass sie zu den führenden bibliothekarischen Institutionen geworden wären. - Sie geraten vielmehr in den Schatten der Fürstenbibliotheken und stagnieren z.T. während Jahrhunderten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. beginnt dann ein rascher Aufstieg der Universitätsbibliotheken, der sich mit einem Unterbruch in den Kriegs- und Zwischenkriegsjahren seit den 50er Jahren dieses Jahrhunderts fortsetzt.

Forschung und Ausbildung haben mittlerweile einen so hohen Stellenwert in der Gesellschaft erreicht, dass das universitäre Bibliothekswesen davon stark profitieren kann. - Allerdings zeichnen sich in England seit den achtziger und auf dem Kontinent seit den neunziger Jahren auch eine beunruhigende Entwicklung ab: Die Universitätsbibliotheken sind immer weniger in der Lage, die für Lehre und Forschung nötige Literatur in ausreichendem Masse anzuschaffen.

"Bücher für die Studierenden oder die Professoren" habe ich im Untertitel dieser Stunde etwas provokativ gefragt. Tatsächlich stellen wir vom Mittelalter bis mindestens ins 19. Jh. in vielen Fällen eine Privilegierung der Lehrenden in den Bibliotheken fest. Die Studierenden waren in bezug auf die Öffnungszeiten, die Ausleihbedingungen (z.B. nur Präsenzbenutzung) und die Bestände selber in vielen Fällen benachteiligt. Dies gilt besonders für die deutschen Universitäten. (s. Schmitz 133)

Reste von Privilegien finden wir bis in die 2. Hälfte des 20. Jhs. Die Entwicklung auch der Universitätsbibliotheken zu kundenorientierten Dienstleistungsbetrieben in den letzten zwei Jahrzehnten machten Bevorzugungen von einzelnen Benutzergruppen aber immer obsoleter.

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