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Universitätsbibliothek Bern

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Probleme und offene Fragen

Informationsflut
Die Entwicklung der Bestandeszahlen von Bibliotheken.

Epoche mittlere Bibliotheken grosse Bibliotheken
Mittelalter einige hundert über tausend
Ende 16. Jh. einige tausend einige zehntausend
Ende 18. Jh. einige zehntausend einige hunderttausend
Ende 20. Jh. einige hunderttausend einige Millionen

(Vgl. auch Weimann, S. 67) Einige Nationalbibliotheken (z.B. Frankreich, England) haben heute bereits einen Bestand von mehreren Dutzend Millionen. Die Library of Congress in Washington nähert sich den 100 Mio. Objekten. Wobei es sich nicht nur um Bücher und Zeitschriften handelt, sondern auch um Mikroformen, Druckgrafik, Handschriften etc.

Angesichts der wachsenden Zahl von Wissenschaftern und Forschern werden wir wohl weiterhin mit der Tatsache leben müssen, dass mehr wissenschaftliche Beiträge geschrieben werden, als das traditionelle Publikationssystem bewältigen kann und schon gar als Bibliotheken kaufen können.

Die vielzitierte Verdoppelung des Wissens alle sieben Jahre - mittlerweile spricht man schon von fünf Jahren - ist allerdings ein Irrtum. Allenfalls handelt es sich um eine entsprechende Vermehrung der Informationsmenge, die in einem hohen Masse redundant ist, aber nicht um die des Wissens.

rascher Wechsel der technischen Geräte
Rund 10 Jahre nach der Einführung der CD-ROM kommt die Digital Video Disc (DVD) auf den Markt. Was uns allen auch im Unterhaltungselektronik-Bereich manchmal Mühe macht, gilt in erhöhtem Masse für die Bibliotheken: Der technologische Wandel geht immer rascher vor sich, und immer neue Investitionen für technische Geräte sind notwendig.

Abhängigkeiten von Vermittlungsdiensten
Angesichts dieser Publikationsflut besteht noch Unklarheit, in welchem Umfang in Zukunft Bibliotheken vollständige Zeitschriften weiterhin selber abonnieren werden und welchen Anteil der Zukauf von Einzelartikeln ausmachen wird.

Tatsache ist bereits heute, dass die Bibliotheken immer mehr Zeitschriftenabonnemente streichen müssen, weil ihre Budgets nicht mehr mit den zweistelligen Teuerungsraten der Zeitschriftenpreise mithalten können.

Gefahren des Informationsverlustes
Jeder Wechsel von einem Informationsträger auf ein anderes Medium birgt die Gefahr von Informationsverlusten in sich. Gerade die westliche Zivilisation hat damit Erfahrung. Der Wechsel von der Schriftrolle zur Kodexform in der Spätantike und im Frühmittelalter war mit einem grossen Informationsverlust verbunden. Eine retrospektive Konversion vom Buch auf elektronische Informationsträger geschieht in der Zukunft mit Sicherheit auch nur selektiv.

Kommerzielle Anbieter leisten - im Gegensatz zu staatlichen Bibliotheken - keine Gewähr, dass die Informationen uneingeschränkt aufbewahrt werden. Was geschieht beispielsweise, wenn eine solche Firma aus irgendwelchen Gründen ihren Betrieb einstellt? Oder wenn sie von einer Konkurrentin übernommen wird, welche diese vielleicht ausschalten will?

Kommerzielles Denken kann aber auch ganz einfach dazu führen, dass in gewissen Wissensgebieten die Speicherung von älteren Informationen als nicht mehr kostendeckend empfunden und der entsprechende "Ballast" beseitigt wird.

Wie wird künftig die Integrität der Texte gesichert?
Wenn Zeitschriftenartikel elektronisch übermittelt und z.B. auf einem PC gespeichert werden, dann besteht auch die Möglichkeit, einen solchen Text weiter zu bearbeiten. - Wer garantiert mir, dass es sich, wenn ich einen Artikel, verfasst von einer Drittperson, von einem Bekannten elektronisch übermittelt bekomme, um das Original handelt?

Von hell- und dunkelgrauer Literatur
Es besteht die Gefahr der Verwilderung der Sitten beim Publizieren. Bereits bei den Printmedien bereitete die sogenannte graue Literatur den Benutzern wie den Bibliotheken einige Sorgen. Bei diesem Schrifttum von Ämtern, Vereinen oder Firmen, ausserhalb des Verlagswesens war die eindeutige Identifikation und vor allem der Bezugsort oft schwierig zu ermitteln.

Wenn nun aber Texte nur noch in elektronischer Form produziert und bezogen und v.a. weiter bearbeitet werden können, so ist zusätzlich die Integrität eines Textes und nicht zuletzt der Urheber mit seinen Rechten nicht mehr geschützt.

Was kostet die Information in der Zukunft?
Wissenschaftliche Bibliotheken leihen ihre Bücher und Zeitschriften in den Lesesaal und nach Hause kostenlos aus. Da immer mehr Informationen von auswärts beschafft werden müssen, ist seit etwa zehn Jahren ein Trend zur Überwälzung der Kopier- und der Versandkosten auf den Endnutzer festzustellen. Der Verband der Bibliotheken, Bibliothekarinnen und Bibliothekare der Schweiz hat eben beschlossen, für die Beschaffung eines Zeitschriftenartikels (erste 20 Seiten) 8 Fr. statt bisher 5 Fr. zu verlangen. Die Beschaffung eines Artikels von einem kommerziellen Informationsanbieter kostet rasch einmal 25-30 Fr.

Wie wird man sich in der Informationsfülle zurechtfinden?
In der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern haben wir die Erfahrung gemacht, dass bei den Benutzerinnen und Benutzern parallel zum Ausbau des Informationsangebots der Bedarf an Hilfestellung durch Mitarbeiter gewachsen ist. Angesichts der rasch wachsenden Zahl von elektronisch gespeicherten Titelaufnahmen, Abstracts und Volltextinformationen wird es schwieriger werden, benötigte Informationen in überschaubarem Umfang herauszufiltern.

Retrieval
Ein grosses und wachsendes Problem stellt heute die Recherche auf dem Web dar. In vielen Fällen erhält man Treffermengen mit so vielen und v.a. mit untauglichen Titeln, dass das Web zum unbrauchbaren Instrument wird.

Dahinter steckt natürlich die unkontrollierte Indexierung, indem jeder für seine Homepage den Titel selber erstellt.

Übermittlung
Das Übermittlungsnetz ist hoffnungslos überlastet, so dass v.a. die Übermittlung von Bild- und Tonmaterial unerträglich viel Zeit in Anspruch nimmt.

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