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Universitätsbibliothek Bern

Titelbild

Was bleibt von den traditionellen Funktionen einer Bibliothek; welche kommen neu dazu?

Der Mensch lebt nicht am Kabel allein
Die Welt wird nie völlig "online" sein, wie wir bereits jetzt beim Fernsehangebot sehen können: Zwar kann man in Bern zwischen rund 40 Fernsehprogrammen auswählen, dennoch florieren die Videotheken. Mit anderen Worten: selbst bei einem sehr grossen direkten Informationsangebot für Privatpersonen werden diese immer noch Bedarf an einem ganz spezifischen "Programm" haben, das ihnen nur die Bibliothek oder eben Mediothek aus ihrem sehr breiten Angebot bieten kann.

Ausleihe von Büchern und anderen Medien
Das Lehrbuch, das z.B. dem Studienanfänger in konzentrierter Form die Grundlagen eines Wissensgebietes bietet (wenn z.T. auch ergänzt durch eine CD oder ein Video), wird ebenso wie die Belletristik und ein Teil der Zeitschriften weiterhin auf dem Regal der Bibliotheken ihren Benutzer finden.

Vorselektion für den Benutzer
Angesichts der unüberschaubaren Fülle von Informationen werden v.a. "Anfänger" auf dem Informationsmarkt (z.B. Schüler und Studienanfänger) froh sein um eine geordnete, auf ihre Relevanz überprüfte Auswahl von Werken. Dies ist gleichzusetzen mit Analyse und Aufbereitung (Sacherschliessung) der Informationen, welche die Bibliothek weiterhin in ihre Bestände aufnimmt.

Das gleiche gilt auch für ein übersichtliches Angebot ausgewählter elektronischer Bestände zu allen Wissensgebieten unter der Homepage einer Bibliothek.

Je kleiner der Anteil, den eine Bibliothek aus der weltweiten Literaturproduktion aufnehmen kann, desto sorgfältiger muss sie auswählen. Je grösser die Bestände sind, desto umsichtiger müssen sie erschlossen sein, damit die einzelnen Dokumente noch sinnvoll genutzt werden können.

Vermittlung und Erschliessung von fremden Informationsquellen
Bibliotheken werden zwar einen immer kleineren Anteil an der weltweit produzierten Literatur selber besitzen, Bibliothekare und Bibliothekarinnen sind aber weiterhin nötig, um dem Benutzer bei der Triage oder der physischen Beschaffung der Literatur, die ihm angezeigt wird, behilflich zu sein.

Gerade die explosionsartige Erweiterung des WWW zeigt, dass eine unkontrollierte Indexierung ins Chaos führt.

Bis jetzt ist es nur den Bibliothekaren und den Dokumentalisten gelungen, grosse Mengen von Informationen systematisch zu ordnen.

Technische Hilfestellung
Selbst wenn die Benutzerinnen und Benutzer selber technisch immer besser ausgerüstet sind, werden sie in bezug auf den Zugang zu Informationsquellen auch wieder auf technische Hilfeleistung und Orientierung angewiesen sein. Ein bezeichnendes Beispiel sind die Datenbankabfragen: Obwohl sie seit rund 20 Jahren möglich sind, ist die Benutzeroberfläche immer noch so schwierig, dass zum Erlernen optimaler Abfragen umfangreiche Handbücher nötig sind.

Subventionierung von Information
Wer in Ausbildung steht, ist meist wenig bemittelt. Wie schon bisher bei der Monographie und bei Zeitschriften, werden Bibliotheken für ihre Endnutzer Informationen kaufen und sie gratis oder kostengünstig weitergeben. Mit anderen Worten, sie werden weiterhin Information subventionieren.

Arbeitsplatzangebot
Nicht jeder Lernwillige findet in seinen privaten Räumen ausreichend Platz oder Ruhe für seine Arbeit. Die zunehmende Belegung der Lesesäle in den letzten zwei wirtschaftlich schwierigen Jahren weisen darauf hin, dass die Wohnsituation Auswirkungen auf die Bibliotheksbenutzung hat.

Bibliotheken werden ein Ort des Lernens und des Arbeitens bleiben. Selbst wenn der private Nutzer alle nötigen Informationen auf seinen PC zu Hause herunterladen kann, so bietet die Bibliothek eine ganz spezielle Arbeitsatmosphäre, in der er alles für ein konzentriertes Arbeiten findet: Ein umfassendes Angebot an Arbeitsplätzen, Lexika und Handbücher zum schnellen Nachschlagen, ein breites Zeitschriftenangebot, alle technischen Hilfsmittel, um auch abgelegenere Informationen beschaffen zu können, Tageszeitungen, eine Cafeteria.

Soziales Umfeld
Bibliotheken bieten ein soziales Umfeld im weiteren Sinne, d.h. bei Universitätsbibliotheken eine Anzahl gleichgesinnter Kommilitoninnen und Kommilitonen und bei allgemeinen öffentlichen Bibliotheken interessierte und engagierte Mitmenschen, mit denen man ins Gespräch kommen und Informationen austauschen kann.

Gedächtnis des Kantons Bern
Zusammen mit dem Stadtarchiv, dem Staatsarchiv und der Burgerbibliothek bildet die Stadt- und Universitätsbibliothek als Kantonsbibliothek das Gedächtnis von Bern. Hier sind fast sämtliche Bernensia seit dem Beginn der Neuzeit aufbewahrt (Werke von Bernern, über Bern oder von Berner Verlagen).

Angesichts des zunehmenden Zerfalls des industriell gefertigten Papiers (seit etwa 1830) müssen die alten Buchbestände durch Konservierungs- und Restaurierungsmassnahmen gerettet werden.

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