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Zentralbibliothek

Titelbild

Konservierung und Restaurierung in der Zentralbibliothek

1. Der erste Buchbinder-Restaurator

Der erste in der Zentralbibliothek angestellte Restaurator war Johann Lindt. Der 1899 geborene Buchbinder wurde nach einigen Jahren selbstständiger Tätigkeit am 1. Juni 1937 provisorisch halbtägig angestellt. Zuerst arbeitete er als Aushilfsbuchbinder, ab 1944 als vollbeschäftigter Gehilfe. 1952 wurde er zum Restaurator, 1964 zum Bibliothekar befördert. In einer Stellenbeschreibung aus dem Jahr 1967 steht, der Konservator gehöre zur Betriebsgruppe Benutzungsdienst, seine Aufgaben seien die Betreuung und Pflege der alten Bestände, Einband- und Druckforschung, Sammlung der Wasserzeichen, Rekonstitution der alten Legate, interne Buch- und Bibliotheksgeschichte, Auskunfterteilung. Für seine Wasserzeichen- und Einbandforschungen wurde ihm 1973 die Ehrendoktorwürde verliehen.

Über Lindts restauratorische Tätigkeit wissen wir nur wenig. Seine Arbeitsweise orientierte sich an den Methoden der Kunstbuchbinderei, in der detaillierte Aufzeichnungen über Schadensursachen, einzelne Arbeitsschritte, verwendete Materialien oder Chemikalien nicht üblich waren. Zu Behandlungsmethoden und Materialwahl sind spärlich Hinweise in einem dünnen Rezeptbüchlein überliefert und in restaurierten Handschriften und Drucken finden sich ab und zu Kurzangaben zu den vorgenommenen Eingriffen. Anfallende Nachbehandlungen werden so leicht zum Problem und machen in Einzelfällen sogar spezielle Voruntersuchungen nötig.

Als Folge seiner Einbandbestimmungen reinigte Lindt ganze Sammlungen und stellte unzählige Behälter zum Schutz der Einbände her. Mit dieser beachtlichen konservatorischen Arbeit, die auch noch in Zukunft zur Erhaltung der kostbaren Einbände beitragen wird, legte er einen wichtigen Grundstein zur Bestandserhaltung.

2. Das 'Restaurationslabor'

Der Übergang von Kunstbuchbinderei zu Restaurierung erfolgte 1974 mit der Anstellung von Erwin Oberholzer. War Lindt allein auf historische Forschungen und die daraus gezogenen Vermutungen angewiesen, so wurden von Oberholzer zusätzlich naturwissenschaftliche Untersuchungsergebnisse für die Wahl einer Restauriermethode mit herangezogen. Grundkenntnisse in Chemie und die Zusammenarbeit mit entsprechenden Fachleuten erlaubten ihm ein materialgerechteres Arbeiten. Lindts kleiner Arbeitsraum wurde um das Doppelte vergrössert und ein Restaurierungsatelier eingerichtet. Im Jahresbericht von 1976 wird von einem Restaurationslabor gesprochen, ein Hinweis darauf, wie fremd die doch einfachen Laborgeräte und -einrichtungen gewirkt haben mussten. Aus der Gelehrtenstube Lindts war eine moderne Restaurierwerkstatt entstanden, die sich schnell weiterentwickelte.

Um die Bedürfnisse an konservatorischer wie restauratorischer Betreuung der Berner Archive, Bibliotheken und Museen zu koordinieren, wurde 1982 der Verein Arbeitsgemeinschaft für Papierrestauration Bern gegründet. Mit Mitteln aus dem Nationalfondsprojekt 16, Methoden zur Erhaltung von Kulturgütern, wurde 1986 im Schweizerischen Bundesarchiv ein Labor zur Untersuchung und Weiterentwicklung von Restauriermethoden und Materialien eingerichtet, ein Projekt zur Untersuchung der verschiedenen Mengenentsäurungsverfahren in die Wege geleitet und ein Konzept für eine schulische Ausbildung von Restauratoren erarbeitet. Der Einsatz der AGPB zeigte Erfolg: Im Herbst 1993 wurde die Berner Fachklasse für Restaurierung und Konservierung um einen Studiengang für Schriftgut, Grafik und Fotografie erweitert, dessen erster Dozent Erwin Oberholzer wurde. Nach achtjähriger, intensiver Arbeit im Schweizerisches Bundesarchiv und an der Schweizerische Landesbibliothek konnte 1999 paper save Swiss, eine Anlage zur Mengenentsäuerung, in Wimmis, BE, die Arbeit aufnehmen.

Mit der Gründung des neuen Studiengangs verlor die AGPB ihre Hauptaufgabe, die Ausbildung von jungen Fachleuten, und so wurde der Verein neu strukturiert und ging 1994 in die Schweizerische Interessengemeinschaft zur Erhaltung von Grafik und Schriftgut über. Das Hauptziel der SIGEGS liegt in der Vermittlung von Information für die Bereiche Konservierung und Bestandserhaltung von Schriftgut und Grafik in Archiven, Bibliotheken und Museen.

3. Die Dienststelle Konservierung heute

Die Aufgaben zur Erhaltung von Bibliotheksgut haben sich weiter verändert. Das Restaurierungsatelier heisst heute Dienststelle Konservierung und ist Teil der Abteilung Zentrum Historische Bestände. Die Restaurierung von Einzelobjekten bleibt ein Schwerpunkt im Atelier der ZB, für viele beschädigte Objekte aber sind konservatorische Massnahmen die einzige Möglichkeit, den Zerfall aufzuhalten. Dazu gehören die objektgerechte Lagerung, ein gleichmässiges und kontrollierbares Umgebungsklima und möglichst schonende Benutzungsbedingungen. Solche Bestandserhaltungs- und Konservierungsmassnahmen verlangsamen nicht nur den natürlichen Abbau der aus organischen Materialien bestehenden  Werke, sondern wirken auch als Präventivmassnahmen, in dem sie die Entstehung neuer  Schäden verhindern. Viele Schadensfaktoren und Abbaureaktionen von Buchmaterialien sind heute erforscht und beschrieben. Mit gezielten Massnahmen können wir Schadensverhütung und damit Kostenersparnis für die Zukunft betreiben.

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